Teil 2

B.Willing Friday August 25 2006 12:33:35 PM

zum Beispiel in Richtung möglicher neuzeitlicher Versteinerungen angestellt werden. Enttäuscht bin ich von der Homepage <www.Zillmer.de>, mit der ich, zu mindest mit meinem PC, nichts anfangen kann. Mit meinem Vorschlag wollte ich eigentlich meine Unabhängigkeit unterstreichen und einen Beitrag zur Objektivierung der wissenschaftlichen Auseinandersetzung leisten. Wenn meine Ausführungen allerdings so verstanden worden sind, dass ich mich in strittigen Auseinandersetzungen bedenkenlos in einer Richtung festlege, so muss ich mir dem Vorwurf machen, mich nicht richtig ausgedrückt zu haben. Wohl aber habe ich des Öfteren betont, dass ich zunächst alle Meinungen und Ansichten gelten lasse, weil ich auch aus eigenem Erleben die zerstörende Wirkung voreingenommener Ansichten beurteilen kann. Die Haltung von Entscheidungsträgern aus Politik und Tourismusbranche kann ich in meinem Falle nicht nach- vollziehen. Ich möchte hier betonen, dass ich zutiefst davon überzeugt bin, dass das Projekt „Bernsteinstrasse“ ein durch und durch solides, mit hoher Effizienz touristisch verwertbares, Vorhaben ist. Trotzdem werden diesem Vorhaben unerträgliche Vorbehalte entgegengebracht. Man sollte zum Beispiel zur Kenntnis nehmen, dass mit der Dissertation von Christa Stahl (siehe mein Beitrag vom 11. 08. 06) inzwischen eine seriöse Quelle zum Thema Bernsteinstrasse vorliegt. Mit dem durch diese Arbeit vorliegenden Material zum Beispiel ließe sich entlang von Elbe und Saale, der Generalrichtung der Bernsteinstrasse, die vorgeschlagene Zertifizierung „Ort an der Bernsteinstrasse“ (siehe mein Beitrag vom 15. 04. 06) vornehmen. Die Situation ist für mich besonders deshalb unerträglich, weil ich die notwendige umfangreiche Korrespondenz (zum Beispiel konnte ich mit Frau Dr. Stahl noch nicht Verbindung aufnehmen) sowie andere notwendigen Aktivitäten kaum noch bewältigen kann. Ich lasse mir aber trotzdem nicht den Optimismus nehmen, weiter zu machen.

Mit besten Grüssen M. Schweiger

Martin Kistenmacher martin.kistenmacher@schloss-zingst.de Querfurt Sachsen-Anhalt Tuesday August 29 2006 6:36:51 PM

Sehr geehrte Geschichtsinteressierte und Philantropen,

von Herzen teile ich Ihre Meinung, dass diese Landstriche völlig zu Unrecht einen unerklärlichen Dornröschenschlaf fristen müssen und zur Nachzugsreserve für die beiden "tollen" Bundesstaaten mit "B" aus dem Süden verkommen sollen. Insofern hat Migration auch heute noch ihre Bedeutung. Vor genau drei Jahren bin ich in die Nähe von Nebra an die Unstrut gezogen. Aus jeder Ecke dieser herrlichen Landschaft hört man die Geschichte, wenn man denn will: Sandsteinbrüche für Berlin und Hamburg, napoleonische, friderizinische und schwedische Schlachtorte, ottonische Lebens-und Sterbeorte, Ungarnkampf bei Riade, tausendjähriger Weinbau, Burgenbau, Landnahme durch Franken und Sachsen, das Thüringerreich, die Kelten und ihr Interesse am Salzhandel, die "Streitaxtleute", Himmelsscheibe (keine drei Km von hier entfernt), Goseck, die Venusfiguren von Nebra und das Geiseltal. Der Zug der Geschichte ist hier schon einigemale zum Halten gekommen - im Augenblick aber reduziert sich die Planung aber wohl auf eine ICE-Linie ohne hiesigen Bahnhof. Zusammenfassend: Jede Currywurstbude in Kön-Deutz vermarktet sich mit "Römersosse" besser. Das verbindende an Handelsstrassen, die wie Adern Neues bringen und dann feinverästelnd verteilen ist meines Erachtens unzureichend erforscht. Die Kupfer-Weinstrasse mirt dem Abtransport der so wichtigen Erze aus dem Harz, die Bernstrasse mit ihren paneuropäischen Dimensionen, die "via regia" als spätere Verbindung der großen Messestädte Frankfurt und Leipzig oder der Hellweg. Natürlich sind die Römer diesen Wegen gefolgt. Sie waren einigermaßen gangbar, durch Händlerberichte ziemlich bekannt und durch die damalige Militärtechnik war eine nachhaltige Sperrung gegen römische Truppen nicht möglich. Entlang dieser nord-südlich und ost-westlich ausgerichteter Achsen haben sich die Römer bewegt und dort auch ihre Marsch- und Nachschubslager errichtet. Das passierte nördlich und südlich vom Harz entlang der heutigen B6, B7, B80 und der A4/B87. Jeder strategisch interessierte Mensch mit einer topographisch ausgerichteten Landkarte und einem Blick für Höhenlinienen kann ausgehend von den Aufmarschräumen am Rhein in Mainz und Köln/Xanten diese Wege erkennen und bis zur Elbe (und als Wege darüberhinaus) verfolgen. Dort finden wir diese Lager in den "Neuen Ländern" - in den "Gebrauchten Ländern" hat man bisher nur mehr Zeit und Geld investiert. Ich freue mich auf eine muntere Diskussion, bzw. über Ihre Hinweise/Kartenentwürfe, wo diese Wege zu finden oder zu vermuten sind.

Mit freundlichen Podiumsgrüßen Ihr Martin Kistenmacher

B.Willing berndwil@t-online.de Thursday August 31 2006 12:39:58 PM

Sehr geehrter Herr Kistenmacher, herzlich willkommen! Kreative Mitstreiter werden immer gern gesehen. Allerdings erweist sich die Suche nach römischen Marschlagern weit schwieriger, als man denkt. Wir haben ja nicht nur die alten Straßen, sondern auch die Flüsse, die sie kreuzten und damit zumindest einen näheren Bereich, wo intensiv gesucht werden muss. Aber leider liegen an diesen Punkten auch unsere großen Städte, und diese haben meist nicht viel von den Lagern übrig gelassen. Unsere einzige Hoffnung besteht in einem Zufallsfund. In Frage kämen besonders Merseburg, Halle, Bernburg, Schönebeck, Magdeburg usw. Bisher kennen wir nicht einmal die genaue Lage des Betts dieser Flüsse in der Zeit vor 2000 Jahren. Luftbilder sind nur außerhalb der Städte brauchbar. Aber vielleicht haben Sie eine Idee, die uns weiter helfen könnte. Ich würde mich freuen.

MfG B.Willing

Schweiger Friday September 1 2006 6:23:20 PM

 Sehr geehrter Herr Kistenmacher, Herzlich willkommen auf der Homepage „Bernsteinstrasse“. Vielen Dank für Ihren Beitrag. Ihr Vergleich der Situation in unserer Region mit dem Dornröschenschlaf ist sehr zu treffend. Man hat bisher einfach übersehen, dass auf Grund unserer einzigartigen geschichtlichen Vergangenheit alle Voraussetzungen gegeben sind, dass wir, wir Sachsen–Anhalter, eine gesamtdeutsche Führungsrolle oder Pionierrolle übernehmen können oder übernehmen sollten. Das auch aus grundsätzlichen politischen und praktischen Überlegungen heraus. Ich halte nichts von Wessi-Ossi Plänkeleien oder Reibereien. Besser ist doch sicher eine Länder übergreifende Zusammenarbeit mit der mannigfache Kontakte wachsen können. Es ist sinnlos ständig Benachteiligungen und Bevorzugungen vor zu rechnen. Ich denke, dass der Kuchen, der verteilt werden soll einfach zu klein ist, oder dass es effektiver ist, das Hauptaugenmerk darauf zu richten, möglichst viel verteilen zu können. Das Projekt Bernsteinstrasse kann nur durch eine Länder übergreifende Zusammenarbeit verwirklicht werden, die sich letzten Endes deshalb durchsetzen wird, weil hiermit die erforderlichen wirtschaftlichen Effekte erzielt und neue Arbeitsplätze geschaffen werden können bei vergleichsweise geringem Investitionsaufwand. Ich würde mir wünschen, dass hierzu sich eine weitere Diskussion hier im Gästebuch entwickelt. Natürlich wäre ich als Sachsen-Anhalter sehr stolz, wenn wichtige Entscheidungsträger auf Landes-und Kreisebene sich dieser Führungsrolle annehmen würden und somit eine lohnende Initiative von einem neuen Bundesland ausgehen würde. Mein Appell richtet sich daher an Herrn Dr. Oette, Chef der Landesmarketinggesellschaft, Frau Bittner, Tourismusverband Anhalt-Wittenberg und Frau Witt, Tourismusregion Wittenberg, um vorab einige Namen zu nennen. Ich habe vor, nach Klärung einiger Fragen, in den nächste Tagen die Kampagne Zertifizierung „Ort an der Bernsteinstrasse“ zu starten Solche Aktionen gelingen erfahrungsgemäß nur, wenn sie mit dem notwendigen Selbstbewusstsein vorgetragen werden (unter dieser Prämisse wurden schon sehr viel anspruchslosere Tourismusprojekte durchgesetzt). Schauen wir mal. Sehr gefallen haben mir auch, sehr geehrter Herr Kistenmacher, Ihre Ausführungen zu den Handelsstrassen. Hier drängt sich der Vorschlag auf, eine weitere touristische Achse, dem Hellweg folgend und unter Nutzung des Mittelandkanals mit Zielort Kalkriese zu konzipieren.

Mit den besten Grüssen M. Schweiger

Martin Kistenmacher martin.kistenmacher@schloss-zingst.de Querfurt/Nebra Sachsen-Anhalt Friday September 1 2006 6:52:43 PM

Sehr geehrter Herr Dr. Willing,

danke für die Ehre der Mitstreiterschaft. Ich will sie mir erarbeiten! Folgend nur einige Thesen zur Lokalisierung solcher Grabewerke: 1. Sie haben völlig Recht mit der einschränkenden Vorbemerkung, dass der Flußlauf von Saale und Elbe zahlreiche Veränderungen erlebt hat. Nun haben diese aber auch relativ großzügig ausgestattete Auen (bis jetzt noch!), bzw. Flußtäler und können so leicht den Lauf ändern. Bei anderen Flüssen, die bestimmte Punkte passieren müssen, gibts es zumindest einige Fixpunkte, die sich nicht geändert haben. So würde niemand bei der Betrachtung einer Karte des Laufes vom Fluß Main durch Unterfranken und dann weiter durch Spessart und Odenwald annehmen, dass dieser seinen Lauf in den letzten - und aus der Sicht eines Flußes - kurzen zwei Jahrtausenden, maßgeblich ändern konnte. Solch ein Fluß mit "Eckpunkten" ist auch die Unstrut. Sie hat nur wenige natürliche Passierstellen. Schon der germanische Namenshintergrund verrät "Unwegsamkeit" und "Untiefe". Sie entstammt dem flachen Thüringer Becken, das sie im weiten Bogen durch einen Durchbruch der Randschwelle bei der "Sachsenpforte" bei Heldrungen nach Nordosten verläßt, dann mit "Thyra" und "Helme" die Wasser des Südharzgebietes einsammelt, am Kyffhäuser vorbeistreicht, bevor sie sich an der heutigen Landesgrenze Thüringen/Sachsen-Anhalts durch zwei weitere Schluchten zwängen muß(!). Zum einen bei Memleben/Wangen/Nebra und dann dreißig Flußkilometer abwärts bei Freyburg. Erst danach erreicht sie bei Naumburg das Saaletal. Mittendrin, bei Karsdorf, das angeblich von fränkischen Truppen im Rahmen der Unterwerfung des Thüringer Reiches 531 als "Karlsdorf" gegründet wurde, befindet sich eine alte Furt, die ganzjährig begehbar war. Und bei Nebra gab es sogar um 1200 eine Steinbrücke für die Handeslstrasse. Der Vorteil dieser kleinen "Städte" ist, dass dort kein neuzeiliches Wachstum zur Überbauung führte. Allerdings ist der fruchtbare Boden hunderfach beackert worden und die Unstrut hat bis Ende des 18. Jahrhunderts berüchtigte Hochwasser als Folge der Schneeschmelze des Südharzes geführt. Wenn also tatsächlich Lager an einer Furt gelegen haben sollten, sind diese nun einfach nicht mehr vorhanden. Will man nun also aus dem immer schon fruchtbaren und ebenen - und deshalb schon früh und dicht besiedelten - Thüringer Becken nach Norden um an Salz und Buntmetall zu kommen, muß man diesen Fluß queren. Und wenn man als römischer Tribun mit entsprechendem Auftrag vom Rhein/Main kommend, den überregionalen Adern folgend, bei Fulda und Eisenach dieses Becken betritt, muß man es enstprechend verlassen. 2. Mich haben schon als junger Mensch (lange her) die dargestellten Dimensionen der römischer Lager beeindruckt - unabhängig davon, ob es sich um einmalig genutzte Marschlager, wiedergeholt genutzte Marschlager auf immer wieder genutzten Routen, um Nachschublager mit saisonaler Besatzung oder um Dauerlager handelte. Als Faustformel habe ich mir für die Infanterie bis zu 40 qm pro Legionär gemerkt. Das entspricht bei einer augustinischen Legion ca. 200.000 qm Lagerfläche. Bei Seitenflächen von ca. 600 x 300 Metern könnte man also im Krisenfall im Abstand von jeweils einem Meter ca. 1.800 Soldaten an die Palisade stellen und hätte auch unter Berücksichtigung von Turm- /Torbesatzungen, Ausfallreserven und Versorgungspersonal eine realistische Vorstellung der Größe. Eine solche Anlage errichtet man nicht so an einem Nachmittag mitten im germanischen Wald. Dafür benötigt man eine bereits von Bäumen befreite Wiese oder Feld - wahrscheinlich in der Nähe einer "Eingeborenen"-Siedlung. Und sicher läßt man sich gerne am Ufer eines frischwasserführenden Flusses nieder. Die Römer hatten übrigens großen Respekt vor "Brunnenvergiftung", bzw. dem strategischen Mittel, so etwas einzusetzen. Man hat damals sicher wenig Rücksicht auf die Proteste der dörflichen Anwohner genommen, deren erntereife Felder im Rahmen einer solchen Maßnahme plattgetrampelt/nivelliert wurden. Die konnten froh sein, wenn für das "verputzte" Vieh eine Kompensation entrichtet wurde und in Kriegszeiten hatten sie sich schon Stunden vor der Truppenankunft in den Wald verdrückt. Übrigens haben die Römer nach meiner Auffassung nur im Notfall Höhen als Lager benutzt. Selbst bei dauerhafter Lagerbildung scheinen sie doch eine Ebene bevorzugt zu haben. Vielleicht kam es ihrem taktischen Bedürfnis entgegen, Manövrierraum vor dem Lager für eine Feldschlacht zu haben? 3. Versetzen wir uns einmal rollenspielerisch in die Lage eines römischen Expeditionsleiters. Wir sind ca. 40 Jahre alt, haben unseren Cäsar und seinen bellum gallicum gelesen, bzw. wurden von Leuten ausgebildet, die bei den Feldzügen gegen die Gallier dabei waren und sollen nun unsere Standarte "SPQR" an der Elbe aufstellen. Natürlich fragen wir jeden Händler nach dem Wegenetz, den topographischen Besonderheiten, den Siedlungen, den Befestigungen, den Marktplätzen, Versammlungsorte und Fluchtburgen aus. Was wir allerdings nicht glauben können, und woran später auch die gesamte Befriedung/Eroberung scheitern wird, ist, dass es kein Königtum und keine Hauptstädte gibt. Anders als in Gallien mit seiner gewachsenen Kulturlandschaft keltischer Prägung, befindet sich Germanien erst am Beginn dieser soziologischen Strukturierung. Gerade bei den Cheruskern und ihren rivalierenden Adelsfamilien kann man den erst am Beginn befindlichen Punkt dieser Entwicklung erkennen. Aber: Keine Hauptstadt - keine Entscheidungsschlacht! Kein Alesia (auch kein Gergovia), kein König und keine zentrale Regierung - wir greifen ins Leere. Im Gegenteil, unsere Maßnahmen von 10 v.d.Z.W. bis 15 n.d.Z.W. behindern diese Entwicklung. Anders als bei den Galliern 50 Jahre vorher und den vielen unterworfenen Mittelmeervölkern gibt es keine Strukturen, die zu romanisieren wären. Aber zurück zu unserem Tribun in Mainz. Er kann nur die Handelsrouten nehmen, deren Verlauf ihm nun über ca. 20 Tagesmärsche/400 km bekannt sind. Es sind Transportwege für Massengüter, nämlich das Salz von der Werra und aus dem Raum Halle/Saale (keltisch für Salz/Hallstatt im salzkammergut). Diese Lagerstätten sind relativ wichtig, denn ein Jahrhundert später werden Chatten und Hermunduren an der Werra deswegen in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt werden. Diese Wege sind alt, gut nutzbar, breit für Karren angelegt, was dem Handelsgut geschuldet ist. Der berühmte Hellweg (Hallweg!?!) ist eine solche Verbindung. Diese schwer und langanhaltend befahren Wege bilden regelrechte Rinnen/Hohlwege im Gelände und sind abseits der neuzeitlichen Strassen im Gelände oft noch zu erkennen. Sie wandern von Siedlungsinsel zu Siedlungsinsel, denn es sind keine geheimen Pfade oder Schnellstrassen für Botenläufer und Edelsteinhändler, die ihr kostbares Gut in einer Satteltasche verwahren können. Übrigens, reiste nicht Tiberius, von Moacium kommen, seinem verunglückten Bruder Drusus Richtung Elbe entgegen? Man reitet nicht einfach so los, wenn es keinen Treffpunkt oder eine entgegenkommende Route gibt. Auf dieser Linie nun bildet man in bestimmten Abständen etwas "bessere" Lager, vielleicht sogar mit dauerhafter Minibesatzung und Depots. Die Transportkolonen können ja mit Bedeckung regelmäßig pendeln und die Magazine auffüllen, bevor eine Expedition mit 3 bis 5 Legionen im Rahmen eines Sommerfeldzugs die Depots wieder "leerfrisst". Um mit Geschwindigkeit im germanischen Guerillakampf operieren zu können, muß die Truppe möglichst frei von aufwendigen Trains gehalten werden. Und eine Ernährung aus dem Land im großen Umfang scheitert schon alleine an der geringen Bevölkerungsdichte - wir sind eben nicht in Griechenland, Ägypten oder in Gallien. Vielleicht war Hedemünde zwischen Kassel und Göttingen solch ein Unterverteiler. Die Gegend ist logistisch beliebt: Unweit, bei Bebra befindet sich ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt aus dem 20. Jahrhundert. Fulda und Bad Hersfeld waren die ersten Eckpunkte für die Missionierung der Thüringer, Chatten und sächsichen Engern und Ostfalen. Und gerade wird die A38 zwischen Göttingen und Halle/Leipzig fertiggestellt. Man kann von dort aus die Entscheidung treffen, nördlich oder südlich um den Harz zu operieren. Rückwärts sind aber auch die Aufmarschräume Richtung Lippe/Paderborn/Xanten nach Westen und Waldgirmes/Wiesbaden nach Süden annähernd gleich weit entfernt. Von dort aus sollte man nach Osten die Lagerkette alle 20/25 km aufrollen. Es folgen alte Reichsstädte wie Nordhausen und Sangerhausen entlang der B80. Diese Route zwängts sich zwischen Kyffhäuser und Unstrut auf der einen Flanke und dem Harz auf der anderen Seite hindurch. Die "Goldene Aue" ist ein uraltes Siedlungsland, aber die Städtchen wie Roßla, Berga, Kelbra sind klein geblieben. Zum Glück (oder leider?) wurde die neue Autobahn etwas hangaufwärts errichtet und überdeckt sicher nicht die "alte" Route im Tal. Auch hier möchte ich suchen. Ich bitte die etwas eruptive und umständliche Darstellung der Gedanken zu entschuldigen. Ich habe noch keine große Forumserfahrung. Vieles stellt sicher eine Wiederholung für die erfahrenen Heimatforscher dar. Gerne kann das Einzelne noch tiefer behandelt werden.

Ein angenehmes Wochenende wünscht Martin Kistenmacher

B.Willing berndwil@t-online.de Friday September 1 2006 8:47:56 PM

Sehr geehrter Herr Kistenmacher, Ihre Überlegungen sind richtig, und ich wünsche Ihnen bei der Suche an der Unstrut viel Erfolg. Von Mainz aus führte vor zweitausend Jahren eine Handelsstraße in den Merseburger Raum, die in einer Karte sogar als römische Straße eingetragen ist und stellenweise mit der Kupferstraße identisch sein dürfte. Dr. Pflug war sich sicher, dass Tiberius von Mainz aus zu seinem sterbenden Bruder eilte und das castra scelerata in der Nähe der Unstrut zu suchen wäre. Er bevorzugte allerdings die Gegend um Monra, mit der Begründung, dass Drusus der Ankunft des Tiberius entgegen fieberte und von dort oben weit sehen konnte. Es gibt dort oben aber kein Wasser, und ich glaube deshalb nicht an diese Version, sondern bin überzeugt, dass man direkt am Fluss gelagert hat. Auch dort hat man für das Lager aber ebenfalls schon geringste Geländeerhebungen bevorzugt, wenn die Fläche ausreichte. An der Lippe waren es manchmal nur wenige Dezimeter Höhenunterschied zur Aue. Ich möchte Sie noch auf den Fund einer Phalera mit einer Darstellung des Opfertods des M. Curtis hin weisen, die vor längerer Zeit bei Rossleben entdeckt wurde und durch die klar interpretierbare Darstellung eigentlich in keine andere Zeit passt, wenn auch ihre Sternform etwas irritiert. Ich habe in Google earth die Uferbereiche der Unstrut abgesucht, aber nichts Markantes gefunden. Günstiger sind offenbar die Aufnahmen der russischen Satelliten, weil diese auch den Infrarotbereich erfassen und Vegetationsmarken besser wiedergeben. Eine direkte Suche vor Ort kann ich allerdings auf Grund der Entfernung nicht durchführen. Bisher hat es gerade für einen Besuch des Mittelbergs gereicht.

Mit freundlichen Grüßen B.Willing

Schweiger Friday September 8 2006 5:55:49 PM

Liebe Freunde der Bernsteinstrasse, Ich hatte in diesen Tagen zwei sehr angenehme und instruktive Gespräche Im Ergebnis des ersten Gespräches mit Frau Dr. Stahl von der Universität Würzburg wurde als ganz wesentlicher Fortschritt für die Weiterführung dieser Website mir zugebilligt, dass ich die in ihrer Dissertation aufgeführten Bernsteinfundorte hier im Gästebuch nennen darf. Auch Frau Dr. Woltermann von der Universität Münster hat mir ihre Unterstützung bei meinem Vorhaben zugesagt. In beiden Gesprächen wurde über folgendes Problem gesprochen. In vier Landkarten zu verschiedenen Zeitepochen in der Arbeit von Dr. Stahl sind die zu geordneten Bernsteinfunde eingetragen, die den Nachweis vermitteln, dass nicht durchgängig aus allen Zeitepochen und dem Umfeld aus dem gesamten Verlauf der Bernsteinstrassen (entlang den Flussläufen) Bernsteinfunde vorliegen. So sind Bernsteinfunde aus der Frühbronzezeit (Karte I der Arbeit Stahl) erst ab der Haveleinmündung nachgewiesen. Die gesamte Küstenregion an der Nordsee bis weit ins Binnenland sowie fast das gesamte Rheingebiet einschließlich Nebenflüsse sind frei von Bernsteinartefakten aus dieser Zeitepoche. Dagegen häufen sich sehr eindeutig Bernsteinfunde um Elbe, Mulde, und Saale in Sachsen-Anhalt und Sachsen. Diese Besonderheit sollte unbedingt bei der touristischen Präsentation dieser Bundesländer berücksichtigt werden Eine weitere, unübersehbare Häufung von Bernsteinartefakten mit einer weiterführenden Verbreitung in den Donauraum (auch mit Zubringer über die Oder) aus dieser Epoche liegt im böhmisch/mährischen Becken vor. Hier bietet sich an, eine Kooperation mit Tschechien im Tourismus zu initiieren. Eine Herausforderung an Historiker und Hobbyforscher, das im Sinne des Seminartourismus thematisch mit Vorträgen zu untersetzen. In der Mittelbronzezeit (Karte II der Arbeit Stahl) ändert sich das Bild. Aus dieser Zeitepoche sind Bernsteinartefakte in einem breiten Streifen entlang der Nordseeküste (bis etwa Stendal an der Elbe), sowie in Süddeutschland (Lahn, Main, Neckar, Oberlauf der Donau) nachgewiesen. Ein breiter Streifen bis zu den Mittelgebirgen, also unter Einschluss des gesamten mitteldeutschen Raumes bleibt frei von Funden. In der Spätbronzezeit (Karte III der Arbeit Stahl) ist für uns Sachsen-Anhalter, Sachen und Brandenburger hervor zu heben, dass Bernsteinfunde entlang Elbe und Oberlauf der Spree nachgewiesen wurden, diese aber im Saale-, Unstrut- und Elstergebiet (weiße) ausbleiben. Deutliche Häufungen sind weiterhin an der Nordseeküste (Richtung Halbinsel Eiderstadt) und in Süddeutschland (Oberlauf Main) zu finden. In der älteren Eisenzeit schließlich sind sehr deutlichen Häufungen von Funden im Saale- Unstrut-Gebiet zu verzeichnen. Generell hat sich aber der Schwerpunkt der Häufungen nach Süd- und Westdeutschland verschoben. Die Erklärung dieser Sachverhalte lässt viel Raum für Spekulationen, die für mich allerdings viel Stoff für die Ausgestaltung von Seminaren im Rahmen des von mir favorisierten Seminartourismus bieten würden. Immerhin wurde mir von Frau Dr. Woltermann zugebilligt, dass die tabufreie Diskussion des Themas durchaus legitim ist, wenn denn die wissenschaftliche Seriosität eingehalten wird. Das ist aber auch meine feste Absicht. Mit der Bitte um Nachsicht kann deshalb in diesem Sinne vielleicht die Diskussion hier im Gästebuch mit folgenden Erklärungsversuchen angestoßen werden: Es ist doch zunächst die Schlussfolgerung berechtigt, dass sich entweder der Wert des Bernsteins als Handelsgut und Kultgegenstand gravierend während den vier Epochen geändert hat, oder dass in diesen Epochen gravierende Änderungen in den Besiedlungsstrukturen eingetreten sind. Letzteres möchte ich ausschließen und vielmehr folgende Überlegungen zur Diskussion stellen: In der Frühbronzezeit ist den Bewohner der Küstenregionen über lange Zeit der Wert des Bernsteins gar nicht bewusst bzw. Bernstein ist bedeutungslos weil sich noch keine Handelsbeziehungen entwickelt haben. Antike Autoren weisen ja darauf hin, dass Bernstein als Brennmaterial genutzt wurde! Mit dem Ausbau von Handelsbeziehungen wird die Beförderung des wachsenden Transportvolumens per Fußmärsche und Einsatz von Zaumpferden über eine Distanz von der Nordseeküste bis etwa Elbknick und Saale-Unstrut-Region bewältigt. Vielleicht mehrmals in den zur Verfügung stehenden Sommermonaten. Deshalb ist dieses Gebiet über eine lange Zeit der nördlichste Handelsumschlagsplatz. Das ändert sich als durch Innovationen bessere Transportmittel etwa der Wagen mit drehbarer Vorderachse zur Verfügung standen. Erster und nördlichster Handelsplatz wurde dadurch unmittelbar die Küstenregion. In der älteren Eisenzeit schließlich hatte sich der gesamte Bernsteinhandel nach West- und Süddeutschland mit dem Saale- Unstrutgebiet als nördlichsten Ausläufer vielleicht über den Seeweg und der Rhein-Rhone-Route verlagert. Bei diesen Hypothesen habe ich keine Erklärung für die Bernsteinfunde entlang der Elbe in der Spätbronzezeit, was ja für uns Anhalter und Sachsen von besonderem Interesse wäre. Vielleicht war die Elbe-Saaleroute aus „politischen Gründen“ zu unsicher geworden Wir sind uns einig: einer von vielen Erklärungsversuchen, zunächst nur Spekulation. Man sollte aber deswegen nicht den Fehler machen, die Diskussion überhaupt nicht führen zu wollen. Ich hoffe mit diesem Beispiel verdeutlicht zu haben, dass es viel im Sinne des Seminartourismus zu tun gibt. Allen, die das Projekt Bernsteinstrasse mit vornehmer Skepsis bedenken, darf ich vielleicht doch sagen: Hier können viele Arbeitsplätze geschaffen werden, nicht nur als Überbrückung bei Arbeitslosigkeit sondern als echten Chance einer persönlichen Profilierung bis zur Gestaltung einer Lebensstellung. In einem nächsten Beitrag werde ich die Liste der Orte in denen Bernsteinfunde getätigt wurden hier im Gästebuch einstellen.

Mit freundlichen Grüssen M. Schweiger

Schweiger Saturday September 9 2006 11:08:00 AM

Liste der Bernsteinfunde in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen Teil I Frühbronzezeit Molkenberg, Gde. Schollene, Kr. Stendal Wolmirsleben, Kr. Aschersleben-Staßfurt Brambach-Rietzmeck, Kr. Rosslau Neukyhna-Kyhna, Kr. Delitzsch Halle-Queis Sennewitz, Saalkreis Dieskau, Saalkreis Apolda, Kr. Weimarer Land Kemmlitz, Gde.Sornzig-Ablaß, Kr.Torgau-Oschatz Rödau-Bobersen,Kr.Riesa-Großenhain Leuben-Schleinitz, Ortsteil Wauden,Kr. Meißen Radebeul Mertitz/Wahnitz, Gde.Leuben-Schleinitz Zehren, Kr. Meißen-Radebeul Kiebitz, Kr. Döbeln Kauscha, Gde. Goppeln, Weißeritzkreis Bautzen-Burk, Sachsen (Spree) Uftrungen, Kr. Sangerhausen Tilleda, Kr. Sangerhausen Bad Frankenhausen, Kyffhäuserkreis Teil II Mittelbronzezeit Keine Funde wird fortgesetzt

Schweiger Saturday September 9 2006 5:18:07 PM

Teil III Spätbronzezeit Osternienburg, Kr. Köthen Canitz, Gde.Thallwitz, Muldentalkreis Diera- Nieschütz, Kr. Meißen-Radebeul Gegend von Pirna, Kr. Meißen-Radebeul Hohenbocka, Oberspreewald-Lausitz Lömmischau, Lemisow, Kr. Bautzen (Spree) Niedergurig, Delnja Horka, Kr Bautzen (Spree) Bischofswerda-Belmsdorf. Kr. Bautzen (Spree) Teil IV Ältere Eisenzeit Halle-Trotha Weißenfels, Kr.Weißenfels Eßleben, Kr. Sömmerda Flurstedt, Kr. Weimarer Land Liebstedt, Kr. Weimarer Land Ranis-Ziegenrück, Saale-Orla-Kreis Seebergen,Kr. Gotha Herbsleben, Unstrut-Hainich-Kreis Bad Tennstedt, Unstrut-Hainich-Kreis Niedersachswerfen, Kr. Nordhausen

Schweiger Sunday September 10 2006 3:24:24 PM

Liebe Freunde der Bernsteinstrasse, Mit diesem Beitrag wende ich mich im Sinne eines Aufrufes oder Appells zugleich an Verantwortliche aus Politik, Wirtschaft, Tourismusverbänden und dem Hotel- und Gastgewerbe Warum eigentlich verzichten wir in Sachsen-Anhalt (und nicht nur in Sachsen-Anhalt) darauf, die geschichtlichen Besonderheiten unseres Bundeslandes richtig dar zu stellen? Unser Land ist ein uraltes Kulturland, dessen Entstehung mit den Bernsteinstrassen in einem Zusammenhang steht. Die Bernsteinstrassen sind uralte Handelswege, die sich an den Flüssen anlehnten, ein einfaches, einleuchtendes Faktum. Bereits 2500 Jahre vor Christi Geburt existierte mit der frühen Bernsteinstrasse ein Handelweg, der entlang von Elbe und Saale über den Brenner in den Mittelmeerraum führte, diese Strasse repräsentiert mit diesen Verbindungen eine einzigartige geo- strategische Vorzugsrichtung. Die frühen Kontakte zu den Hochkulturen im Mittelmeerraum haben nachhaltig die Entwicklung unseres Bundeslandes in wirtschaftlicher, kultureller und sicher auch in genetischer Hinsicht seit Urzeiten bis auf den heutigen Tag geprägt, Die Geschichte Sachsen-Anhalts beginnt nicht erst mit den Ottonen! Mit Handelswegen sind Bewegungsrichtungen vorgegeben, die zu Touristikrouten ausgebaut werden können. Was meine ich in diesem Zusammenhang mit der Festlegung von Touristikrouten durch Zertifizierung „Ort an der Bernsteinstrasse.“ Wie kann das geschehen? Ich stütze mich bei diesem Vorschlag auf eine sehr seriöse Arbeit von Dr. Christa Stahl mit dem Titel “Mitteleuropäische Bernsteinfunde von der Frühbronzezeit bis zur Frühlatenezeit“ überarbeitete Fassung der Dissertation 2004 an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg ISBN 3-89754-245- 5. Bitte informieren Sie sich auch im Gästebuch über mein Vorhaben (ist recht umfangreich, beauftragen Sie zweckmäßiger Weise einen kompetenten Mitarbeiter Ihres Teams). Ich habe nun die unstrittigen Bernsteinfundorte aufgelistet und empfehle den Gemeinden, in deren Gemarkung diese Funde getätigt wurden, diesen Fakt in den Präsentationen der Gemeinden (Websites, Prospekte, geschichtliche Darstellungen) auf zu nehmen. Mit Hinweis auf vorstehend genannte Dissertation ein seriöses und unanfechtbares Unterfangen! Flankierend dazu sollte Betrieben des Gastgewerbes in den Gemeinden Gelegenheit gegeben werden, diese Besonderheit ihrer Gemeinde für die Werbung zu nutzen. Unter Anderen biete ich dazu eine unkonventionelle Methode unter „Highlights entlang Elbe und Saale“ in meiner Homepage an. Ich verfolge damit die Absicht, eine auf das Thema Bernsteinstrasse bezogene touristische Infrastruktur zu befördern. Touristische Routen könnten auf der Grundlage einer Verkettung der Bernsteinfundorte entlang Saale und Elbe geschaffen werden zwischen denen nach dem bewährten Prinzip der Gesellschafts- oder Pauschalreisen Touristen bewegt werden. Dieser Weg könnt in die, unter Himmelswege bereits bekannten, Routen eingetaktet werden. Als neue Destination soll der Seminartourismus als neue Form der Bildungsreise zur Anwendung kommen und qualifiziert werden, Dabei wird von folgenden Überlegungen ausgegangen: Die Kontakte zu den Hochkulturen im Mittelmeerraum schon in der Frühbronzezeit drängen einen Vergleich mit der Globalisierung der Gegenwart auf, ein Thema mit vielen Facetten. Es bietet viel Stoff für anspruchsvolle Vorträge mit anschließenden anspruchvollen Diskussionen. Gerade die Diskussion vieler offener Fragen, wie zu den Bernsteinstrassen, wird von den Touristen als Herausforderung verstanden und vermittelt ein nachhaltiges Erfolgserlebnis. Sie sind in sich ein nicht zu unterschätzender Markt! Ich hoffe, dass die Diskussionen hier im Gästebuch dazu einen ersten und positiven Eindruck (trotz einiger versehentlich gelöschter Texte) vermitteln. Ein Problem wird natürlich zunächst sein, Seminarleiter zu gewinnen und aus zu bilden. Ein Hochschulabsolvent aber muss unabhängig von der Ausbildungsrichtung in der Lage sein, sich schnell einzuarbeiten und Vorträge auszuarbeiten. Mann klicke nur einmal bei Google Bernsteinstrassen an: 1358 Hinweise! Hier könnten ohne großen Aufwand Arbeitsplätze geschaffen werden! Wo ist das Problem oder wo sind die Probleme, diese Vorschläge zu akzeptieren oder wenigstens zu thematisieren Das Hauptproblem besteht sicher darin, dass ich als Einzelkämpfer ohne Unterstützung von offizieller Seite operieren muss. Ich kann die Haltung der Tourismusverbände nicht nach- vollziehen und hoffe, dass eine mangelhafte Information die Hauptursache ist. Das will ich verbessern und hoffe, dass unter anderen. mit dem Gästebuch meiner Homepage umfangreichere Informationen vermittelt werden können. Ein weiteres Problem sind nicht gerechtfertigte Vorbehalte aus unterschiedlichen Gründen. Hier muss man aus pragmatischen Überlegungen die Fragen stellen: Wer riskiert eigentlich aus Hotel- und Gastgewerbe, Politik, Wirtschaft und den Tourismusverbänden etwas, wenn die Vorschläge Schritt für Schritt (in kleinen Schritten) umgesetzt werden? Mit der Arbeit von Dr. Stahl dürfte mangelnde Seriosität kein Hinderungsgrund mehr sein! Ich möchte dazu noch vermerken, dass ich viele Literaturhinweise, die mir von Frau Dr. Woltermann von der Universität Münster übergeben wurden noch nicht auswerten konnte. Von Frau Dr. Wolterman selbst ist sicher in nächster Zeit eine interessante Publikation zu erwarten.

Mit freundlichen Grüssen M. Schweiger

Schweiger Monday September 18 2006 1:29:04 PM

Liebe Freunde der Bernsteinstrasse Inzwischen wächst sich, die hier im Gästebuch geführte Auseinandersetzung zur offiziellen Anerkennung des Vorhabens „Bernsteinstrasse“ (und auch für das Thema Römer in Mitteldeutschland) auch zu einer soziologischen Frage aus, die aus der angestauten Stofffülle aus meiner Sicht locker eine Studie etwa unter dem Titel „Management ohne Manager“ hergeben würden. Ohne Manager deshalb, weil in zunehmendem Maße Defizite in der fachlichen du sozialen Kompetenz unserer Manager, besonders in Politik und öffentlichen Dienst bei der Einordnung ehrenamtlicher Arbeit auf Grenzgebieten d.h. zu unseren Thema erkennbar werden. Das äußert sich: In der Unfähigkeit, Sachverhalte richtig zu beurteilen, Schwerpunkte zu erkennen und Strategien zu entwickeln. In unserem Falle zeigt sich das in der sich abzeichnenden Fehlentscheidung sich auf einen Ort der Varusschlacht (Kalkriese)fest legen zu wollen, anstatt eine breite Diskussion zu allen römischen Aktivitäten in Deutschland als Würdigung der Varusschlacht anlässlich des 2000-jährigen Jubiläums 2009 unter Einschluss von Hedemünden aber auch Halberstadt u.a. zu favorisieren, womit im Übrigen eine viel breitere PR-Wirksamkeit erzielt werden könnte. Auch die bisherige Resonanz zur touristischen Verwertung des an sich fachlich unstrittigen Themas „Bernsteinstrasse“ von offizieller Seite verdeutlicht diese Unfähigkeit. In diesem Zusammenhang möchte ich auf Aktivitäten der Österreichischen Gesellschaft für angewandte Fremdenverkehrswissenschaft (ÖGAF) hinweisen. In einer Diplomarbeit am Institut für Tourismus und Freizeitwirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien ist unter dem Titel „ Grenz überschreitende Tourismusprojekte im regionalen Raum gezeigt am Beispiel der Bernsteinstrasse in Niederösterreich, Verfasser: Christoph Stadler, Betreuer Dr. Wolfgang Sovis, Jan. 2003 sind die Chancen und Risiken von Themenstrassen umfassend behandelt worden! Kontakt unter: http://tourism.wu-wien.ac at /oegaf. Ich werde Kontakt aufnehmen und erlaube mir die Bemerkung, dass ich mich mit meinem Konzept nicht zu verstecken brauche und mich mit dieser Bemerkung auch nicht dem Vorwurf aussetze, überheblich zu sein. Defizite äußern sich auch in der Unfähigkeit, wichtige und unbequeme Entscheidungen zu treffen. Ich beobachte zum Beispiel mit Sorge, dass nichts unternommen wird, die leidigen Ossi-Wessi-Diskussionen zwischen Gästen, die Gift für den Tourismus hier zu lande sind, in die richtigen Bahnen zu steuern. Unter anderen könnten hier die mit dem Seminartourismus beabsichtigten mehr intellektuell geprägten Vorträge und Diskussionen ein wenig Ausgleich schaffen. Schließlich liegen erhebliche Defizite in der Beurteilung sozialer Probleme vor. Ich bitte um Nachsicht, wenn ich das einmal etwas ausführlicher an meinem Problem darstelle. Ich weiß sehr wohl was mit dem Thema Bernsteinstrasse zu tun wäre. Dem guten Willen sind aber Grenzen gesetzt. Es fehlt am Geld, das ich auf Grund meines Alters (73) und den damit verbundenen gesundheitlichen Unwägbarkeiten über Kredite nicht beschaffen kann. Mit etwa 10 000.- € könnte in einer ersten Etappe schon viel bewegt werden (Gestaltung einer attraktiven Homepage mit einem komfortablen Forum, Bereitstellung eines Flyers und eines Logos, Organisation einer Anlaufveranstaltung). Ein weiteres Hindernis ist meine eingeschränkte Mobilität, weil ich nicht mehr aktiver Autofahrer bin. Drittens sind auf Grund meiner inzwischen eingeschränkten physischen Belastbarkeit Grenzen gesetzt. Ich bräuchte dringend professionelle Hilfe, die nur durch die Eintaktung des Projektes in bestehende Tourismusstrukturen und Tourismusprojekte zur Verfügung gestellt werden kann, in Strukturen über die dann ABM -Kräfte angefordert werden könnten, die dann eingearbeitet werden müssen und im wachsende Maße Aufgaben selbständig bearbeiten. Ich möchte noch einmal betonen, dass es das Thema zulässt, eine Lebensaufgabe zu gestalten. Wenn ich könnte wie ich wollte, würde ich als erste Schritte persönlich bei Eignern von Fahrgastschiffen vorsprechen und Vorträge anbieten, die ich als Begleiter von Schiffsreisen halten würde, zunächst kostenlos und ich würde mich freuen, wenn ich bei weiteren Reisen dafür ein Honorar aushandeln könnte. Das Gleiche würde ich bei Busunternehmen versuchen. Ich würde die Orte an Saale und Elbe, in denen Bernsteinfunde getätigt wurden, persönlich abklappern, Kontakte zu den Verantwortlichen aus Fremdenverkehr und Gastgewerbe herstellen und mir selbst ein Urteil zu der touristischen Infrastruktur dieser Orte bilden und die gewonnenen Erkenntnisse nutzen, um Vereinbarungen zum Aufbau touristischer Routen in die Weg zu leiten. Ich würde alle sich bietende Chancen nutzen, persönliche Kontakte her zu stellen und versuchen Veranstaltungen zu organisieren, zu deren Ausgestaltung ich versuchen würde, prominente Referenten zum Beispiel aus dem Universitäts- und Hochschulbereich zu gewinnen. Ich würde jedenfalls weit gehend darauf pfeifen, Vertreter der Tourismusbranche mit Forderungen zu behelligen! So aber bin ich, wegen der vorstehend genannten Einschränkungen darauf angewiesen zu warten und zu hoffen, dass Entscheidungsträger aus Politik und Tourismus Grünes Licht geben. Ich würde mich sehr freuen, wenn Jemand den Mut hätte mit dem Thema „Bernsteinstrasse“ den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen, selbst wenn er seine Absicht vielleicht in die Worte kleiden würde: damit lässt sich doch etwas anfangen, Opa, man muss das aber so und so anpacken. Mit dem Aufbau und dem Betrieb unsere Pension hatte ich selbst mit großem Erfolg den Schritt in die Selbständigkeit vollzogen. Unsere Auslastung war ständig weit höher als 40 %! Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass arbeitslose Hochschulabsolventen das Thema Bernsteinstrasse als ABM -Aufgabe ablehnen würden. Dazu müsste aber eine Institution den Antrag beim Arbeitsamt stellen. Wie sagt doch das Sprichwort: hoffen und harren macht manchen zum Narren. Auch dessen bin ich mir bewusst, mit meinem Engagement, das vielleicht doch etwas Anerkennung verdient, nur Hohn und Spott zu ernten. Die ganze unerträgliche Situation berechtigt vielleicht doch zu der soziologischen Schlussfolgerung, dass unsere Führungskräfte oder Entscheidungsträger nicht in der Lage sind, in sozialen Grenzfällen richtig zu reagieren. Es kann doch nicht wahr sein, dass jemand, der eine gute Idee de facto zum Nulltarif an den Mann bringen will, die er selbst wegen unverschuldeter Beschränkungen nicht realisieren kann und dem die Zeit wegläuft wie ein armseliger Bittsteller oder Bettler behandelt wird. Ich muss es dem Leser überlassen zu entscheiden, ob hier vielleicht vielmehr ein armseliges, schäbiges und popliges Verhalten oder eine armselige Reaktion von Führungskräften (als Tendenz) zu Tage tritt, die so gar nicht zu dem Begriff Eliten passt, mit dem sie sich gern schmücken. Wie auch immer auf diese offenen aber sicher auch einmal notwendigen Ausführungen regiert wird, sie sind sicher für uns alle ein Gewinn in der Beurteilung soziologischer Entwicklungen.

Mit freundlichen Grüssen Schweiger

Saturday September 23 2006 12:34:34 PM

Liebe Freunde der Bernsteinstrasse Ich bin es mir selbst schuldig die begonnen soziologischen Betrachtungen mit einer Analyse und Einschätzung des mit dieser Homepage überhaupt Machbaren fort zu setzen und auch hierbei geschichtliche Vergleiche auf zu zeigen. Ein nicht unwesentlicher Anteil meiner Aktivitäten ist dem Willen geschuldet, mit dem Projekt Bernsteinstrasse und dem damit im Zusammenhang stehenden Seminartourismus Arbeitsplätze zu schaffen, was doch zumindest einen Versuch wert sein sollte Ich wollte damit letzten Endes einen kleinen Beitrag zu einer, zu gegeben, wenig beliebten aber doch notwendigen Alternative zu den populistisch äußerst wirksamen und in der Öffentlichkeit wahrnehmbaren aber keine Wert schöpfenden Verteilungstheorien leisten. Ich setze auf Initiative, Fleiß und Mut, erforderlich zum Beispiel bei der Thematisierung, Ausarbeitung und Durchführung einer Vortagsveranstaltung im Rahmen des Seminartourismus. Aus der Resonanz zu meinen Bemühungen aus Politik und Tourismusverbänden Fehlanzeige. Ein typisches Beispiel für den Unterschied zwischen Theorie (vollmundige Versprechungen Arbeitsplätze schaffen zu wollen) und Praxis (einen Modellversuch zu einem Seminarvortrag zu befürworten und zu initiieren) Man kann dazu wahrhaftig uferlose philosophische Betrachtungen anstellen. So richtig an, kommen doch offensichtlich nur Ansichten oder weltanschaulich geprägte Anschauungen, die nicht an die individuelle Leistungsfähigkeit appellieren, sondern Schuldzu- weisungen an Andere zum Inhalt haben. In Anbetracht des schönen Wetters breche ich hier ab. Wird fortgesetzt

Schweiger Sunday September 24 2006 5:12:48 PM

 Fortsetzung vom 23. 09. 2006 Es ist bei einer sachlichen Betrachtung es als ein Phänomen zu werten, wie in der jüngsten geschichtlichen Vergangenheit es eine handvoll von Demagogen oder Ideologen verstanden hat, sich mit Schuldzuweisungen breiten Zuspruch zu verschaffen und die übergroße Mehrzahl der Toleranten und Derjenigen, die eigentlich nur ihrer Arbeit nachgehen wollten, beherrschen konnte. Bei den Nazis war es die Unterdrückung und Ausbeutung der arischen Volksgenossen durch die Juden. Bemerkenswert und typisch ist, dass die verkündeten Parolen sehr häufig von den Machthabern selbst nicht eingehalten wurden oder nicht auf diese zutrafen. Der ideale Arier war groß wie Goebbels, schlank wie Göring und blond wie Hitler. Hitler selbst blieb kinderlos, obwohl die Nazipropaganda mindestens vier Kinder (mit denen dann siegreich Frankreich geschlagen werden sollte) pro Familie forderte! Es war wichtig, sich deutsch zu gebärden und über deutsche Rassemerkmale zu verfügen, um gesellschaftliche Anerkennung zu finden. Billiger ging es wahrhaftig nicht. Das deshalb als Beispiel für Schuldzuweisungen Aber auch die Klassenkampftheorien und auch der Terrorismus bedienen sich solcher Schuldzuweisungen um Massenwirksamkeit zu erlangen. Nicht beliebt sind jedenfalls Appelle an Eigeninitiative, Fleiß und Sparsamkeit. Schlussfolgerung für mein bescheidnes Vorhaben „Bernsteinstrasse“ es ist nicht opportun Leistungen an zu fordern und auf Eigeninitiative zu setzen. Kritisch muss auch die Ausgestaltung meiner Homepage gesehen werden. Ich habe übersehen, dass, wie in der Politik auch der Auftritt von größter Wichtigkeit ist. Brennender noch als der Innhalt scheint zum Beispiel die Journalisten das Auftreten eines Redners zu interessieren. (Absoluter Meister unser Ex-Kanzler) Es wäre es vor allem notwendig, das Gästebuch durch ein komfortables Forum zu ersetzen, wozu mir allerdings die finanziellen Mittel fehlen. Dennoch denke ich, dass hiermit ein durchaus nachahmenswertes Beispiel geschaffen worden ist. Ich könnte mir vorstellen, dass die Tourismusverbände verstärkt versuchen sollten, über ein Thema (ihrer Wahl nicht unbedingt Bernsteinstrasse!) mit einem Forum verstärkt die Kommunikation mit Touristen aus zu bauen. Das darf allerdings nicht dem Selbstlauf überlassen werden, indem man auf sporadische Einträge von Gästen, wie es meistens der Fall ist wartet, sondern man sollte einen redaktionell Verantwortlichen, der auch mit eigenen Beiträgen die Fortführung des Forums steuert, einsetzen. In Österreich wird das schon ansatzweise so gebräuchlich. Immerhin habe ich erreicht Mitarbeitern von Universitäten (s. Beitrag vom 08.09. 2006) meine Homepage vorzustellen zu können. Aus Österreich erreichte mich sogar eine freundliche Gratulation zu meiner Homepage. In diesem Zusammenhang eine notwendige Korrektur: in meinem Beitrag vom 18. 09. 2006 habe ich eine unbrauchbare Adresse für die Österreichische Gesellschaft für angewandte Fremdenverkehrswissenschaft (OEGAF) angegeben. Die richtige Adresse lautet: < oegaf at wu-wien.ac.at > Wird fortgesetzt Mit freundlichen Grüssen

 

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