Teil 4

Richter, Joannes Wednesday October 18 2006 11:16:05 PM

handel mit Britannien. Phase 2, um 750 v.C. Gründung Roms durch Freibeuter Der Raub der Sabinerinnen deutet daraufhin, dass die Gründer überwiegend Freibeuter (Abenteurer ohne weibl. Anhang und Kinderschar, d.h. reine Männergruppe) waren und kein homogenes, gewachsenes Volk. Sie übernehmen die Schrift von den unteritalischen Griechen (d.h. sie sind keine Bauern, aber gebildete Grundbesitzer). Es ist durchaus möglich, dass sie als ehemals trojanische Flüchtlinge (wie die Legende aussagt) aus der Zwischenstation Karthago stammen. Phase 3, um 510 v.C. 1e Vertrag zwischen Rom und Karthago Anerkennung des karthagischen Handelsmonopols im westl. Mittelmeer (wahrscheinlich aus Ohnmacht, aber vielleicht auch als Dank für die langjährigen Gastfreundschaft nach dem Untergang Trojas ?). Ein Vertrag wird aber nur benötigt, wenn die Römer und Karthager sich gegenseitig als Konkurrenz betrachten. Phase 4, um 387 v.C. Keltenangriffe Nach der Niederlage gegen dem Keltenherzog "Brenner" belageren die Kelten das Kapitol, wird die "Hellenenstadt" Rom eingenommen und niedergebrannt. Rom beherrscht lediglich einen kleinen Landkreis um Rom und ihre Macht reicht nur bis zu den Füssen der Appeninenkette. Um 380 v.C. wird die Stadt wieder aufgebaut. Phase 5, um 348 v.C. 2e Vertrag zwischen Rom und Karthago. Sperrung des westl. Mittelmeers für den Röm-latinischen Handel, doch Freihandel auf Sizilien und in Karthago. (-> Rom will im Mittelmeer Handel treiben und konkurriert mit Karthago). Phase 6, um 306 v.C. 3e Vertrag zwischen Rom und Karthago. Phase 7, 285-282, Kämpfen mit den Kelten, Roms Herrschaft in Mittelitalien ist gesichert. ->> Der Fernhandelsweg durch Italien wird ab sofort von Rom kontrolliert. Phase 8, 272, Friedensschluss nach Übergabe Tarents. Roms Herrschaft in Unteritalien ist gesichert. Phase 9, 264-241, 1e Punische Krieg. Das Tyrrhenische Meer wird "Mare Nostrum" der Römer. Phase 10, 218-201, 2e Punische Krieg. Rom kontrolliert in etwa das Gebiet Italiens, Korsika, Sardinien und Sizilien und das Gebiet um Ambracia (->Bernsteinhandelsgebiet.). Die südliche Hälfte Spaniens gehört zu Karthago, die nördliche Hälfte ist Ibero-Keltengebiet. In 202 v.C. wird Karthagos Heer vernichtet. Karthago verzichtet auf Spanien. Ausbeutung der Provinzen durch Verpachtung der Steuern und Zölle an Steuerpächter. Ausdehung des römischen Fernhandels über das Mittelmeergebiet. Phase 11, 200-190, Keltenkrieg in Oberitalien. Ab 188 v.C. ist Rom Herrin des östl. Mittelmeeres. 189 Einnahme von Ambracia (Bernsteinhandelsknoten Richtung Griechenland). 181 Anlage der Kolonie Aquileia als Handelsmetropole für Nordeuropa (-> insbes. für den Bernsteinhandel). Phase 12, 149-146, 3e Punische Krieg, Vernichtung Karthagos. Das Gebiet wird zu Provinz. Phase 13, 120-101, Krieg gegen den Cimbern, Teutonen und Amburonen. Rom beherrscht mittlerweile nahezu die komplette Mittelmeerküste. Nur ein winziger Zugang bei Ampurias (Amburias) nördlich von Barcelona und Marseille sind noch in griechsicher Hand und bilden für die Kelten einen nicht-römischen Zugang zum Mittelmeer. Idee: Vermutlich als Folge der Untergangs des Handelspartners Karthago verlieren diese Germanen ihre Existenzgrundlage im Bereich des norddeutschen Bernsteinhandels. Die Amburonen sind ggf. auch die Namenspaten der Siedlung Ambur (Hamburg). Phase 14, 58-51, Eroberung Galliens und Großbritanniens durch Julius Caesar. U.a. Erhebung der Eburonen unter Ambiorix (54) (->es sind die Bernsteinhändler der Ambronen) Phase 15, 13-9, Unterwerfung der Pannonier (Donaugebiet) Phase 16, 54-68, Regierungszeit Nero Claudius Caesar. Höhepunkt des Bernsteinhandels. Kurz danach bricht der Bernsteinhandel des Altertums zusammen. Schweiger Thursday October 19 2006 4:16:09 PM Sehr geehrter Herr Richter, Zunächst besten Dank für den Eintrag der Orte aus dem Gästebuch in die Karte 3 Ihres Kartenwerks. Ich möchte noch einmal klarstellen, dass ich diese Orte nur aus der Arbeit von Frau Dr. Stahl entnommen haben. In dieser Arbeit sind lückenlos alle archäologischen Bernstein- funde in Mitteleuropa aufgelistet (Mitteleuropäische Bernsteinfunde von der Frühbronze- bis zur Frühlatenezeit, Christa Stahl, Verlag J.H. Röll, Dettelbach ISBN 3- 89754-245-5). Ich habe mir dieses Buch mühelos und schnell über eine Fernleihe beschaffen können (Landesbibliothek Schwerin!). Zu den Cimbern-Teutonenzügen möchte ich noch ergänzen, dass auch die Römer bei ihren militärischen Operationen in Germanien um Christi Geburt die „ ausgetretenen“ Pfade der Bernsteinstrassen genutzt haben. Bramsche (Kalkriese), der vermutete Ort der Varusschlacht ist ja auch in Ihrer Karte 3 eingetragen, der Elbweg ist sicher auch von Tiberius erprobt oder erkundet (5 n. Chr.) worden um Nachschubwege für geplante militärische Operationen gegen den renitenten Fürsten Marbod in Böhmen vor zu bereiten. Auch Ihr Hinweis auf die bevorzugte Nutzung der Kammwege der Mittelgebirge (Rennsteig) ist einleuchtend. Ich behalte damit recht, dass alle der ersten 20 unserer 50 Besten (in einer ZdF–Sendung waren die ersten 50 Orte Deutschlands in der Gunst der Bevölkerung ausgewählt worden) im Umfeld der Bernsteinstrassen liegen. Ich hatte das kürzlich hier im Gästebuch zum Besten gegeben, aber Oberhof am Rennsteig zunächst ausgeklammert, weil ich von einem solchen Bernsteinweg nichts wusste! In diesem Zusammenhang hier meine Meinung zu einem Beweis der erschreckenden Defizite im Tourismusmarketing in unserer Region. Man hatte den großartigen Erfolg unserer Kreisstadt zum Anlass genommen eine Postkarte für Werbezwecke zu gestalten. Diese Karte ist so schlecht, dass man sich entschuldigen müsste, wenn man sie verschickt! Zu Brambach-Rietzmeck möchte ich noch bemerken, dass in der Nähe dieses Ortes sich kirchliche Gründungen befinden. In einer Wanderkarte wird extra auf eine Kirche hingewiesen. Rätselhaft ist nach wie vor ein 20 mal 40 Meter großes Fundament, das in die Elbe reingebaut ist. Zur Herkunft dieses Fundamentes sind ein römisches Wasserkastell sowie eine kirchliche Gründung in der Diskussion. Aber auch über die kirchliche Gründung weiß man, nach meinem Empfinden, wenig oder nichts. Ich nehme das zum Anlass als weiteres Kriterium für die Zertifizierung „Ort an der Bernsteinstrasse“ die Überbauung heidnischer Heiligtümer hinzu zu ziehen, die zu mindest an vielen Orten nicht ausgeschlossen werden kann und die Bedeutung der betreffenden Orte unterstreicht. Das für Heute!

Mit freundlichen Grüssen

Schweiger Friday October 20 2006 10:13:19 PM

Sehr geehrte Herren, Ich habe mir auch die Frage, sehr geehrter Herr Dr Willing, vorgelegt ob nicht „Brennerorte“ mit Brandrodungen in einem Zusammenhag stehen. Die Fülle von Bernsteinorten die Sie, sehr geehrter Herr Richter, mit ihrem Kartenwerk vorgelegt haben hat mich zunächst erschreckt. Die Verbindung dieser Orte scheint jedoch der Hauptrichtung, von der Halbinsel Eiderstedt zu den Zielorten Marseille, Venedig und Aquilea weit gehend zu folgen Schiebt man ein Lineal auf Karte 3, auf die ich mich vorerst beziehe, parallel zur Bildgrundlinie nach oben, so erkennt man, dass weitaus weniger Orte in West- Ostrichtung verbunden werden können beziehungsweise eine sinnvolle Verbindung ergeben, so dass ich die Theorie von Herrn Richter weit gehend akzeptiere. Ich muss es natürlich den Lesern des Gästebuchs überlassen, ob sie dieser Argumentation oder dieser „Faustregel“ folgen. Die Slawen in unserem Gebiet (Sachsen-Anhalt) mit dem Bernsteinhandel in Verbindung zu bringen, halte ich auf Grund der großen Zeitdifferenz zwischen dem Niedergang des Bernsteinhandels auf der Elbe- Saaleroute, spätestens ab Christ Geburt und der ersten Slawenzuwanderung im 6ten Jahrhundert, für nicht relevant. Es wäre wünschenswert, wenn wir uns einheitliches Kartenmaterial beschaffen könnten, so dass man mit Folienkopien zu den verschiedenen Diskussionsvarianten arbeiten könnte. Hier sind gute praktische Ideen gefragt.

Mit freundlichen Grüssen M. Schweiger Richter, Joannes Saturday October 21 2006 10:15:06 AM

 Sehr geehrter Herr Dr. Schweiger,

Habe jetzt die Karten aus der Arbeit von Frau Dr. Stahl (Mitteleuropäische Bernsteinfunde von der Frühbronze- bis zur Frühlatenezeit, Christa Stahl, Verlag J.H. Röll, Dettelbach ISBN 3-89754-245-5) ausgewertet. Die Fundstellen konzentrieren sich speziell in den bekannten Zivilisationskerngebieten, denn wohl nur in den reichen Siedlungen wurden offensichtlich viele Würdenträger mit Grabbeigaben beerdigt. In den dünn bevölkerten Durchreisestrecken werden dagegen wenig Bernsteine gefunden. Die Bernsteinfunde aus der Frühbronzezeit (ab ca. 1700 v.C., Karte I der Arbeit Stahl) liegen überwiegend im Bereich der Aunjetitzerkultur (Mitteldeutschland, Böhmen, Niederösterreich), bekannt für ihre weitreichende Handelsbeziehungen. Die Bernsteinfunde aus der Mittelbronzezeit (Karte II der Arbeit Stahl) konzentrieren sich im klassischen Germanenbereich (Küstenstreifen mit dem Zentrum Hamburg) und abgesetzt davon im Bereich der Hügelgräberkultur (mit einer wichtigen Handelsstellung im Handel von Norden nach Süden und etwa berenzt durch Maas, Seine, Alpen, Oder, Niedersachsen). Bedeutsam ist die Konzentration der Fundstellen an der Theiss. Hier hatte ich zuvor wenig Siedlungsnamen gesucht, weil mein Kartenmaterial nicht hochauflösend genug ist. Trotzdem habe ich noch eine Stadt gefunden: Presov, östlich der hohen Tatra. Der von Ihnen registrierte Mangel an Bernsteinfunde zwischen Norddeutschland und Süddeutschland entspricht genau dem Grenzbereich zwischen der nordischen Germanenkultur und der Hügelgräberkultur. Diese Lücke bleibt in allen Karten deutlich sichtbar und erklärt auch den späteren, bisher unklaren Unterschied zwischen "Germanen" und "Kelten". Die Bernsteinfunde aus der Spätbronzezeit (Karte III der Arbeit Stahl) liegen hauptsächlich im klassischen Germanenbereich (Küstenstreifen mit dem Zentrum Hamburg) und abgesetzt davon im Bereich der Urnenfelderkultur (ab 1300). Ausbreitung von mittleren Donau nach Süden, der Donau entlang nach Böhmen, Polen (Lausitzerkultur), Mitteldeutschland sowie Westfrankreich, Mittelitalien, Nordspanien. Bedeutsam ist auch in dieser Zeit die Konzentration der Fundstellen an der Theiss. Die Bernsteinfunde aus der älteren Eisenzeit (Karte IV der Arbeit Stahl) stammen wiederum aus dem klassischen Germanenbereich und abgesetzt davon aus der Eisen- oder Hallstattzeit (ab 800, verbreitet in Kroatien, Bosnien, Süd und Westdeutschland, Alpengebiet, Schweiz, Ost- und Südfrankreich, Nordspanien). Die Fundstellendichte in Süddeutschland ist beachtlich und entspricht auch die von mir registrierten Zahl der Brenner-Siedlungsnamen in Deutschland. Ab 450 v.C. Jüngere Eisenzeit (La Tenekultur) bilden die Bereiche der Urnenfelderkultur die Grundlage für die klassischen Keltengebiete. In der Keltenkultur erweitert sich der Handel auf den gesamten Keltenbereich (insbes. Frankreich, Britannien, Spanien, Türkei, Nordditalien, usw.). Ich meine, dass man aus den Karten von Fr. Dr. Stahl sehr wohl die ausserordentliche Bedeutung des Bernsteins für die Entwicklung der Handelsbeziehungen und für den kulturellen Austausch der europäischen Völkergemeinschaft dokumentiert.

Mit freundlichen Grüssen, Joannes Richter

Richter, Joannes Saturday October 21 2006 10:28:38 AM

Sehr geehrte Herren Schweiger und Willing,

Auch ich hatte mich zuvor bereits über "Brenner"-Orte und -Berufe Gedanken gemacht. Dabei habe ich jedoch festgestellt, dass man im Altertum ganz klare Wortdefinitionen praktiziert haben muss. So wurden für Brandrodungen wohl nur der Ortsname "roda" benutzt, der in vielen Gebieten registriert wird. Dieser "roda"-Siedlungsname spricht für sich. Ein typischer "Brenner"-Beruf ist der Köhler, der Holz in Holzkohle verwandelt. Ein solcher Köhler durfte sich früher nicht Brenner nennen, denn dieser Beruf war wohl den Bernsteinhändlern vorbehalten. Auch die Personen, die ggf. Feuer für Signale, Bäckereien oder Schmiede versorgten, haben bestimmt eigene Berufsbezeichnungen gehabt.

Mit freundlichen Grüssen, Joannes Richter

Schweiger Saturday October 21 2006 8:34:56 PM

Liebe Freunde der Bernsteinstrasse,

Nach den sehr erfreulichen und konstruktiven Diskussionen mit den letzten Beiträgen im Gästebuch, muss ich heute wieder einmal einige organisatorische und wirtschaftspolitische Fragen zur Sprache bringen. Mit Sorge sehe ich, dass die vorliegende Gestaltung der Homepage nicht mehr den Anforderungen gerecht wird. Das Gästebuch müsste durch ein Forum ersetzt werden, das nach Themenkreisen gegliedert werden müsste. Dasselbe trifft auch auf meine technische Ausrüstung zu. Es müsste die neueste Version von Macintosh installiert werden, damit ich u.a. auch Google earth nutzen kann. Vielleicht würde damit auch die Installation des Forums für mich in den Bereich des Machbaren rücken. Und ich bräuchte unbedingt einen Scanner, damit auch der Austausch von Literatur möglich bzw. vereinfacht wird. Hier sind mir als Rentner finanzielle Grenzen gesetzt, weil ich nach Aufgabe des Pensionsbetriebes ein viel zu großes Haus hinsichtlich Instandhaltungskosten bewohne aber auch nicht aufgeben will und aufgeben kann. Die von Ihnen, sehr geehrter Herr Richter, vorgeschlagene Auslagerung von Themen auf andere Foren würde auch keine Entlastung bringen, weil ja hiermit zwangsläufig auch das Gästebuch verstärkt (was an sich wünschenswert wäre) frequentiert werden würde. Ich kann vorerst nur versichern, dass ich an den Problemen dran bleibe Es hat sich in den letzten Beiträgen gezeigt, dass eine Gemeinschaftsarbeit als neue Herausforderung organisiert werden müsste. Der erste Schritt dazu wäre ein zwangloser Gedankenaustausch, der sicher am Besten im Rahmen einer zwanglosen Zusammenkunft erfolgen könnte. Ich würde versuchen eine solche Zusammenkunft hier bei mir in Bad Schmiedeberg für April/Mai 2007 (als Vorschlag!) zu organisieren. Dazu ist Jeder, der sich für das Projekt „Bernsteinstrasse“ interessiert oder sich dafür engagieren möchte herzlich eingeladen. Mir müsste natürlich eine Teilnahmemeldung zugehen, unabhängig davon würde ich auch persönliche Einladungen verschicken. Um mit Ausrichtern der Veranstaltung verhandeln zu können wäre es wünschenswert, wenn mir Stellungnahmen zu diesem Vorschlag zu gehen würden! Zur inhaltlichen Gestaltung der Zusammenkunft (oder Konferenz) nenne ich vorab folgende Themenkreise. Unterstützung des Projektes durch Universitäten und Fachhochschulen (es wäre vielleicht für alle Beteiligten von Nutzen, wenn einige Vorlesungen zur Einordnung geschichtlicher Themen in Tourismusdestinationen in die Lehrpläne aufgenommen werden könnten) Organisierung der Gemeinschaftsarbeit Unterstützung durch die Tourismusverbände und Einbeziehung der Tourismusverbände in das Projekt. Einbeziehung von PR-Aktivitäten Einbeziehung von Fachvorträgen in die Veranstaltung. Es gibt viel zu tun! Am 10. 10. 06 hatte ich ein Telefonat mit Frau Bittner, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Anhalt-Wittenberg. Im Ergebnis des Telefonates hatte mir Frau Bittner zu gesagt, die Verlinkung meiner Homepage in die Homepage des Verbandes zu prüfen. Bis jetzt ist allerdings noch nichts passiert, aber immerhin, aus meiner Sicht, ein erster Schritt in die richtige Richtung. Darüber hinaus habe ich eine Einladung zu einer Radwanderer – Konferenz am 06. 10. 06 in den Elbterrassen in Brambach! erhalten, worüber ich mich sehr gefreut habe.

Mit freundlichen Grüssen M. Schweiger

Richter, Joannes Sunday October 22 2006 12:51:29 PM

Sehr geehrter Herr Dr. Schweiger,

Ich bin mir sicher, dass eine Umstellung auf Forum Romanum für Sie keine Mehrbelastung bedeutet. Die Einrichtung und Betrieb dieses Forums ist kostenlos. Die Themen werden übersichtlich gegliedert und chronologisch geordnet. Falls man im Gästebuch nur einige wenige Verknüpfungen auf dieses Forum und einen Terminkalender mit Aktivitäten führt, würde ein externes Forum Sie entlasten bei der Pflege Ihrer eigenen Homepage. Falls Sie wollen, kann ich ein solches Forum einrichten und die Adresse hier im Gästebuch veröffentlichen. Auf ein Wochenende im schönen Bad Schmiedeberg (inmitten der Dübener Heide ?) für April/Mai 2007 würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüssen, Joannes Richter

Schweiger Saturday October 28 2006 7:54:55 PM

Sehr geehrter Herr Richter,

Nachfolgenden Beitrag stelle ich noch einmal ins Gästebuch nachdem er beim Löschen von Spams etwa April/Mai verloren gegangen war. Können Sie mit diesem Abschnitt des Bersteinstraßenverlaufs etwas anfangen? Über die, den Flusslinien folgenden, bisher hier im Gästebuch angegebenen Richtungsangaben hinaus, gibt es im Gebiet Sachsen-Anhalts einige, allerdings widersprüchliche historiographische Hinweise mit Ortsangaben zum Verlauf der Bernsteinstrasse. Nach Hinweisen von Dr. Willing, unter anderem auf einen Beitrag von H.Czornick in der MZ vom 19. 06. 91 kann man davon ausgehen, dass durch die Bernsteinstrasse folgende Orte von Nord nach Süd verbunden werden: Rogätz, Magdeburg, Schönebeck, Barby, Calbe, Aken, Dessau, Oranienbaum, Mescheide, Jösigk, Schköna, Schwemsal, Bad Düben. Der „Umweg“ über Calbe macht Sinn, weil damit möglicher Weise Gefährdungen durch Überschwemmungen im jetzigen Gebiet des Biosphärenreservates Mittlere Elbe umgangen wurden. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass ab Calbe ein gleichrangiger Zweig der Bernsteinstrasse weiter der Saale folgend das Fichtelgebirge überwindet und weiter entlang der Naab, dem mutmaßlichen Marschweg des Domitius Arhenobarbus 02 nach Christi Geburt, nach Regensburg und von dort über den Brenner nach Venedig führte. Ab Bad Düben könnte die Bernsteinstrasse weiter der Richtung der B 2, deren Bedeutung immerhin mit der Bezeichnung Reichsstrasse2 von den Nazis hervorgehoben wurde, gefolgt sein. Diese Annahme ist allerdings nicht unstrittig, aber nicht a priori aus zu schließen. Im Norden muss man vorerst davon ausgehen, dass mit der Bernsteinstrasse weiter entlang der Elbe eine Verbindung zum Hamburger/Lübecker Raum bestanden hat. In Richtung Süd-Osten, ab Ende des Elbknickes bei Elster folgte ein zweiter Ast der Bernstrasse weiter der Elbe durch Sachsen und Böhmen/Mähren (Moldau)zum Brenner, so dass man annehmen kann, dass die jetzige B 182 aus diesem Ast der Bernsteinstrasse hervor gegangen ist. Man kann auch meiner Meinung nach nicht ausschließen, dass auf beiden Ufern von Elbe und Saale Landwege existierten, die den Namen Bernsteinstrasse verdienen. Ich stütze diese Annahme auf Angaben des oben zitierten Autors H. Czornick, wonach dieser uralte „Handelsweg von Hamburg und Lübeck über Magdeburg, (Zerbst), Dessau-Coswig, Wörlitz, Goltewitz, Düben Prag, Passau über den Brenner nach Venedig“ führte. Goltewitz war eine von vier so genannten Geleit-Haltestellen, an denen laut Amtsrechnung von 1530 des Amtes Gräfenhainichen Geleitsgeld erhoben wurde. Es ist zunächst nicht einleuchtend, dass in vorstehender Orts-Kette plötzlich der rechts von der Elbe liegende Ort Coswig auftaucht. Eine Erklärung dieses Widerspruches könnte die Annahme sein, dass es auch rechts der Elbe eine Bernsteinstrasse gegeben hat. Diese Annahme wird auch damit gestützt, dass in einer Darstellung der Bernsteinstrasse (H. Kinder / W.Hilgermann, dtv-Atlas Weltgeschichte Bd.1, Deutscher Taschenbuch-Verlag, 31. Auflage April 1997) Depotfunde rechts und links der Elbe eingetragen sind, im Besonderen auch in unserer Region (Landkreis Wittenberg). Insgesamt stellen die hier für den Raum Sachsen-Anhalt auf gelisteten Orts-Ketten mutmaßlicher Verläufe der Bernsteinstrasse nur einen Torso dar. Ihre Widersprüchlichkeit offenbart einen unbefriedigenden Wissensstand.

Mit freundlichen Grüssen.

Richter, Joannes Sunday October 29 2006 10:06:28 PM

Sehr geehrter Herr Dr. Schweiger,

Der von Ihnen andiskutierte Abschnitt der Bernsteinstrasse befindet sich im Mündungsbereich vieler Flüsse in die Elbe, z.B. Saale, Mulde, Schwarze Elster. Gerade in diesem Bereich kann der Verlauf dieser Flüsse im Laufe der Zeit erheblich variiert haben und können Routen sich auch neu gestaltet haben. Vielleicht befinden sich in diesem Bereich auch alternative Routen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Ich weiß nicht auf welchen Quellen die Untersuchung von H. Czornick basiert. Falls es Depotfünde sind, ist immer noch die Frage, ob diese chronologisch zusammenpassen. Die von mir ausgelegte Route basiert auf die Angabe "Ambergau", die man sonst nur in spezifischen Bernsteingegenden findet (vgl. "Ammerland" im Amper Stromgebiet und auch bei Oldenburg). Dieser Bereich liegt westlich von Magdeburg und die vorgeschlagene Route tangiert die Schlüsselposition Bernburg, führt aber auch nahe an Calbe und Aken vorbei. Eine Aufnahme von Aken setzt allerdings eine Elbüberquerung voraus. Von Bernburg führen mindestens zwei Routen nach Dresden, aber es können natürlich auch 4-6 gewesen sein, da westlich von Dresden sehr viele Brennersiedlungen verzeichnet werden. Es ist auch gut möglich, dass Routen auf beider Seite der Elbe und Saale verlaufen. Es gibt ein Brandis im Niederen Fläming nördlich der Schwarzen Elster, aber auch an der Mulde. Des weiteren ein Bernsdorf bei Kamenz. Ich habe diese Orte nicht alle zu einer Route ausgeprägt, weil die Lücken überaus gross sind.

 Mit freundlichen Grüssen, Joannes Richter

Richter, Joannes Monday October 30 2006 7:21:33 AM

Sehr geehrter Herr Dr. Schweiger,

Der von Ihnen andiskutierte Abschnitt der Bernsteinstrasse befindet sich im Mündungsbereich vieler Flüsse in die Elbe, z.B. Saale, Mulde, Schwarze Elster. Gerade in diesem Bereich kann der Verlauf dieser Flüsse im Laufe der Zeit erheblich variiert haben und können Routen sich auch neu gestaltet haben. Vielleicht befinden sich in diesem Bereich auch alternative Routen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Ich weiß nicht auf welchen Quellen die Untersuchung von H. Czornick basiert. Falls es Depotfünde sind, ist immer noch die Frage, ob diese chronologisch zusammenpassen. Von Bernburg führen m.E. mindestens zwei Routen nach Dresden, aber es können natürlich auch 4-6 gewesen sein, da westlich von Dresden sehr viele Brennersiedlungen verzeichnet werden. Die vorgeschlagene Route vorbei an Calbe und Aken führt auch nahe vorbei an die Schlüsselposition Bernburg. Eine Aufnahme von Aken setzt allerdings eine Elbüberquerung voraus. Die zitierte dtv-Ausgabe kenne ich nicht. Ich verwende die Ausgabe 2007. Die dort dokumentierte Bernsteinkarte ist allerdings nur eine Skizze und ich schlage vor bei solchen Arbeiten nur die detaillierten Karten von Frau. Dr. Stahl zu verwenden. Es ist auch gut möglich, dass Routen beidseitig der Elbe und Saale verlaufen. Es gibt ein Brandis im Niederen Fläming nördlich der Schwarzen Elster, aber auch an der Mulde. Des weiteren ein Bernsdorf bei Kamenz. Ich habe diese Orte nicht alle zu einer Route ausgeprägt, weil die Lücken überaus gross sind.

Mit freundlichen Grüssen, Joannes Richter

B.Willing berndwil@t-online.de Monday October 30 2006 12:16:30 PM

Sehr geehrte Herren,

wenn wir uns über Straßenverläufe unterhalten, dann geht das selbstverständlich nie ohne konkreten Zeitbezug. Die Elbe hat ständig ihren Lauf gewechselt und ist in ihrem, bis zu 15 km breiten, Urstromtal hin- und hergependelt. Allerdings war die Bronzezeit bei uns wesentlich trockener, so dass vermutlich kaum Überschwemmungen auftraten. Ein einziger Straßenverlauf wird also nicht rekonstruierbar sein. Für das Mittelalter sind im Elbebereich so genannte "Straßenbündel" bekannt, worin nach jedem Starkregen und jeder Überschwemmung ein anderer Verlauf sichtbar wird. Für den Raum Saale-Elbe-Mulde sind als wichtigste Straßenverbindungen die "Bernburger Heerstraße", von Bernburg über Osternienburg, Mosigkau, Stene (Dessau-Süd), grundsätzlich auf hochwasserfreien Höhen verlaufend), und eine südöstlich verlaufende Straße, die die Fuhne überschritt, überliefert. Bernburg, oder vorher der Stadtteil Waldau (Waladala) war ein bekanntes mittelalterliches Straßenkreuz. In der Zeit davor kann die Bernsteinstraße durchaus näher an der Elbe gelegen haben. Die Bernsteinfunde sind für den exakten Verlauf nicht maßgebend, weil natürlich auch nicht unmittelbare Anwohner beliefert wurden. Der Fund von Dessau-Kleinkühnau (jungsteinzeitliches Bernsteinamulett) liegt ca. 1 bis 3 km von der Elbe entfernt, die hier mehrfach ihren Lauf geändert hat. Der historische Elbübergang lag, geologisch bedingt, zwischen Aken und Dessau bei Brambach. Die Ortslage Aken war eine ungünstige Stelle und spielte als Übergang nie eine Rolle. Mir sind aus dem Stadtkern auch keine vor-oder frühgeschichtlichen Siedlungsspuren bekannt. Da auf den Bernsteinstraßen natürlich nicht nur Bernstein transportiert und gehandelt wurde, ist die Verteilung von anderen Gegenständen bzw. von know-how- im Elbegebiet interessant. So folgt die Drehscheibenkeramik kurz nach der Zeitenwende der Elbe nur in ihrem oberen Verlauf in Sachsen. Die römischen Importfunde des gleichen Zeitraums sind dagegen auffällig im unteren Verlauf des Flussgebiets verteilt. Römische Fundmünzen der Republik bis 1.Jhd. zeigen keinen deutlichen Bezug zum Flussverlauf. Im zweiten Jahrhundert sind sie hingegen in Sachsen deutlich mit dem Flusslauf korreliert, während sich der Bezug bereits im dritten Jahrhundert wieder stark abschwächt. Im dritten bis sechsten Jahrhundert ist zusätzlich eine auffällige Häufung entlang von Spree/Havel erkennbar. Spätrömische Bronzegefäße sind u.a. im Magdeburger Elbgebiet und nördlich davon verbreitet. Um keine Irrtümer aufkommen zu lassen: die Einschätzung erfolgte anhand älterer Karten, und zusätzlich zum Elbverlauf finden sich natürlich wesentlich mehr römische Artefakte als Punktwolke von Thüringen bis zur Saale/Mittelelbe.

Mit freundlichen Grüßen B.Willing

Schweiger Monday October 30 2006 4:04:58 PM

Sehr geehrter Herr Richter,

Ich habe mir noch einmal Ihren Beitrag vom 18. 10. angesehen. Ich fürchte, ich muss mich in einigen Punkten korrigieren. Mit meinem Ausflug in die Deutung der Konsonanten hatte ich, bezogen auf das Thema Bernsteinstrassen, das Ziel verfolgt aus meiner Sicht vielleicht für mich Klarheit in die Wahl der „Brennerorte“ zu schaffen. Nach meiner Auffassung der Sinn gebenden Bedeutung der Konsonanten müssten die Brennerorte zumindest die Konsonanten B, N. und R enthalten. Bei „Bram“ steckt vielleicht zugleich auch Amber drin, soweit gehe ich mit, aber was soll ein Braschwitz, wo zudem wirklich noch ein slawischer Ursprung zu vermuten ist. Ich kann daher in Ihrer Aufstellung für die Routen 4+ 5 folgende Orte nur schwer akzeptieren und sehe mit Sorge, dass in den später beabsichtigten Seminaren damit Widersprüche provoziert werden könnten: Priesdorf, Groß Briesen, Brielow, Brädikow, Breese, Baarz Groß-Bardau, Borsdorf, Braschwitz, Berwitz, Barwedel, Bargfeld In Ihrer Karte 3 ist mir eine solche Häufung, aus meiner Sicht, fraglicher Orte zunächst nicht aufgefallen Ich bitte Sie, meinen Standpunkt zu akzeptieren, Ihre Theorie gerät damit sicher nicht ins Wanken, eine Korrektur verlange ich entsprechend meinen Auffassungen zur Toleranz natürlich nicht. Einen weiteren Einwand habe ich zu der Routenführung Thüringen, Hessen, Rhein aufwärts, Rhone, nach Marseille Nach den vier Karten von Frau Dr. Stahl sind für die frühe Bronzezeit und auch für die mittlere und späte Bronzezeit archäologische Funde die eine Bewegungsrichtung zur Rhone erkennen lassen kaum vorhanden, so dass in diesen Epochen die Elbe-Saale-Route sicher doch der Naab folgend nach Regensburg und weiter zum Brenner führte. Äußerst schwierig ist es mit dem mir zur Verfügung stehende Kartenmaterial Ihre Routen- festlegungen nach vollziehen zu können. Mit einer Karte des Tourimusverbandes Anhalt- Wittenberg habe ich das für die Route Delitzsch, Fernsdorf, Brambach, Bornum, Glashütte, Börnecke recht gut gekonnt, bei der Route Bernburg-Halle habe ich nur die Zwischenstation Bründel gefunden. Zu den Flussquerungen ist sicher eine Verabredung notwendig, weil diese nicht ganz vermieden werden können. Kann man durch Fällen eines Baumes einen provisorischen Flussübergang herstellen, so liegt sicher keine kritische Flussquerung vor.

Mit freundlichen Grüssen M. Schweiger

B.Willing 1berndwil@t-online.de Monday October 30 2006 7:25:00 PM

Sehr geehrter Herr Dr. Schweiger,

zum Namen Bram: bei Brambach fließt der Bach Brame in die Elbe. Bram = mnd. , bram? Besenginster oder Brombeere bzw. mhd. ,brame? Dorngesträuch; Brahm bedeutet auch Sumpf, Gebüsch. Vorher hieß der Ort "Brambock, was manchmal mit Gottespforte übersetzt wurde. MfG B.Willing PS: Aus Spamschutzgründen habe ich meine E-Mail-Adresse duch eine vorgesetzte Ziffer (1) verfälscht. Bitte bei eventueller Benutzung der Adresse beachten.

Schweiger Tuesday October 31 2006 3:16:55 PM

Sehr geehrter Herr Dr. Willing,

Vielen Dank für Ihre letzten Beiträge. Die Deutung als Ginster/ Gestrüpp-Bach für Brambach ist natürlich für mich eine zumindest gleich berechtigte Auslegung gegenüber der Amber-Deutung. Vielleicht könnte das noch untermauert werden, wenn man sich noch jetzt das Gelände als einmal mit Gestrüpp ( anspruchsloser Boden oder Sumpf ) bewachsen vorstellen könnte?? Ich kann es nicht beurteilen. Wie soll man sich hier entscheiden? Die Namensdeutung ist offensichtlich in weiten Grenzen Ansichtssache. Wie hält man es mit Brambock gleich Gottespforte? Steckt darin das slawische bog für Gott? (bitte um Entschuldigung, wenn das falsch ist, habe nicht schnell ein russisches Wörterbuch besorgen können.) Auf jeden Fall eine interessante Deutung. Ich mag die Diskussion nicht abbrechen! Die „Gestrüpp/Sumpf-Variante“ ist Natur bezogen, nahe liegend, vernünftig. Die „Brenner/Amber-Variante legt einen Zusammenhang mit dem Bernsteinhortfund und der verkehrstechnischen Sonderstellung des Ortes, auf die sie in Ihrem Beitrag hingewiesen hatten, nahe. Die Deutung Gottespforte ist vielleicht ein Hinweis auf das vermutete Wasserkastell, dessen heidnischer Ursprung vielleicht mit dieser Bezeichnung überdeckt oder ausgelöscht werden sollte? Im Übrigen müssten doch historiographische Belege für eine christliche Überbauung dieses rätselhaften Fundamentes vorliegen! Wenn das nicht der Fall ist haben doch Spekulationen über die Herkunft der „Hungersteine“ eine Berechtigung. Ich will mich hier gern korrigieren, wenn solche Nachweise vorliegen sollten. Mit dieser weitschweifigen Stellungnahme wollte ich zugleich auch noch einmal die Stofffülle für die Gestaltung von Seminaren aufzeigen. Die Diskussion, die Sie, sehr geehrter Herr Dr. Willing, in dankenswerter Weise angestoßen haben zeigt aber auch wie sensibel das Thema Namensgebung ist und wir sehr darauf bei Veranstaltungen (z.B.Seminaren) geachtet werden muss. Im Sinne einer zwischenzeitlichen Auswertung der Diskussion aus meiner Sicht, möchte ich noch einmal wiederholen, dass die Bernsteinfunde, die im unmittelbaren Umfeld der Flüsse (Elbe, Saale, Unstrut, Bode, Elster (weiß+schwarz), Mulde) nachgewiesen worden sind, die zuverlässigste bzw. die am wenigsten anfechtbare Aussage zum mutmaßlichen Verlauf der Bernsteinstrassen vermitteln. Auch einige „Amber/Brenner-Routen folgen weit gehend diesem Verlauf. Für eine abschließende Bewertung sollten noch weitere Kriterien in die Beurteilung einbezogen werden. Insgesamt hat sich ein fruchtbarer außerordentlich interessanter Meinungsaustausch entwickelt, wofür ich mich bedanken möchte.

Mit freundlichen Grüssen M. Schweiger

Schweiger Tuesday October 31 2006 4:49:17 PM

Sehr geehrter Herr Dr. Willing,

Ich habe noch ein Wörterbuch gefunden. Bog gleich Gott stimmt und in Bram könnte wremena gleich Zeit stecken. Damit wäre vielleicht Pforte als zeitliche Öffnung etwa seit Gott, seit der Christianisierung zu verstehen, also vielleicht doch Abhebung von einem heidnischen Ereignis oder heidnischem Heiligtum (Kastell). Wo haben Sie den Hinweis her?

Mit freundlichen Grüssen M. Schweiger

B.Willing 1berndwil@t-online.de Tuesday October 31 2006 8:09:06 PM

Sehr geehrter Herr Dr. Schweiger,

das "Rätsel um Reine" wird wahrscheinlich in absehbarer Zeit nicht gelöst werden können. Nehmen wir Dr.Pflug: "Im Elbstrom liegt, bei Niedrigwasser 60 cm unter dem Nullstand des Pegels in etwa 1,5 m Wasserteife, auf dem Grund aufsitzend, eine lange und im Verhältnis dazu schmale Baumasse, die mit je zwei Langwänden und zwei Mauern an den Schmalseiten einen langgestreckten Rechteckgrundriss ergibt, dessen Maße nach den Protokollen 80 m und 25 m sind.. Das Bemerkenswerte an diesem Baukörper sind die strenge Regelmäßigkeit der Anlage un die Geradlinigkeit der Mauern - Formen, die in diesen Ausmaßen im frühen Mittelalter nicht verwendet wurden." Pflug hat die Maße auf das römische Standardmaß von 80 m x 25 m leicht abgerundet und schließt daraus auf ein Wasserkastell, wie es am Rhein üblich war. Allerdings stammen die Maße nur von Bruchteilen des einstigen Baukörpers, da die Mauern als Gesamtheit nicht mehr existieren. Es gibt zudem Überlieferungen über Mauerreste auf der anderen Stromseite, die auf Grund der Entfernung natürlich nicht zu einer rechtsseitigen Kirche oder Burg gehören können und von Pflug als Brücke zum Kasterll gedeutet wurden. Aber das ist reine Hypothese. Wir haben hier auf Grund des heutigen Befundes mit den noch vorhandenen Mauern ganz offensichtlich ein mittelalterliches Bauwerk vor uns, an dem nur die bisher nicht wieder aufgefundenen "gestempelten Ziegel" stören. Was wir nicht wissen, ist, ob sich unter dem mittelalterlichen Fundament noch ältere Reste befinden, die die Baumeister des Mittelalters dazu bewegt haben, eine Kirche oder ein Burggebäude in solchen riesigen Dimensionen nachzubauen. Der Ort Brambach erscheint tatsächlich als Brambog in Verbindung mit Rietzmug und Rosslow in einer Betrachtung über slawische Ortsnamen. Die Deutung "Gottespforte" wäre dadurch gerechtfertigt. Zu beachten ist übrigens, dass es vor der großen Flut im 14. Jahrhundert zwei Brambachs, eines rechts und eines links von der Elbe, gab. Das Linksseitige wurde bis heute nicht wieder aufgefunden.

Mit freundlichen Grüßen B.Willing

B.Willing 1berndwil@t-online.de Wednesday November 1 2006 8:22:16 AM

Sehr geehrter Herr Dr. Schweiger,

zu Ihrer Annahme der Ablösung eines heidnischen Vorgängers passt, dass das Gelände südlich der Elbe am Kastell früher "Romljan-Hau" und heute noch "Rummeljahnhau" heißt. Pflug nahm an, dass dort der römische Janus, der Gott der Ein-und Ausgänge, an dieser wichtigen "Pforte" gestanden haben könnte.

MfG B. Willing

Richter, Joannes Wednesday November 1 2006 9:27:21 AM

Sehr geehrter Herr Schweiger,

Zunächst eine Antwort auf Ihre Frage nach der Herkunft der Namen "Bras.." und "Brest", usw. In Frankreich heissen Provinzen, die von den Brennerrouten durchquert werden: Bearn, Brenne, Bresse und Brest. In der französische Sprache bedeutet "brasier" Feuer. Für mich sind Bresse und Brest aus diesem Grund bereits "Brennernamen". Denkbar ist aber auch eine Verkürzung der Namen Borostyan (Ungarn, Ukrain.), Bernsten (Schwedisch) und Barnsten (Yiddisch). Auch Bernstein selbst verkürzt sich ggf. zu "Berst". So erkläre ich mir z.B. auch den Namen Brest, das als wichtige Handelsstation auf der Grenze zwischen Polen und Russland und an der französischen Atlantikküste liegt. Einen Routenführung über Thüringen, Hessen, Rhein aufwärts, Rhone, nach Marseille ist aus meiner Sicht und in meinen Veröffentlichungen weniger wahrscheinlich, wird aber in historischen Schriften dokumentiert. Vielleicht sind es Flußverbindungen, z.B. Rhein-Rhone. Ein solche Routenführung wird nicht von Brennernamen unterstützt. Die Brennernamen deuten auf Strecken, die in Frankreich von der Atlantikküste in Richtung Alpen führen. Zur Dokumentation der Routenführungen habe ich noch keine bessere Lösung gefunden. Vielleicht orientieren Sie sich an meinen Karten und markieren selbst die sog. "Brennernamen". Allerdings sollten Sie hochauflösenden Karten 1:200.000 für deutsche Routen verwenden. Zur Flußüberquerung noch: Ein einfacher Baumstamm reicht höchstens zur Bachüberquerung. An der Elbe kommt man damit nicht sehr weit. Im Altertum war die Elbe wesentlich wilder und es trieb allerlei Unrat (Baumstämme) darin herum. Eine Fahrt wäre damals eine richtiges Abenteuer wie eine Wildwasserfahrt gewesen. Im Übrigen ist es durchaus denkbar, dass ich in Routen Namen falsch zugeordnet habe. Brambach wurde von mir erst akzeptiert als ich den nahegelegenen Namen Bernsdorf gesehen hatte. Grundsätzlich möchte ich immer eine Reihe von Namen erkennen, wobei dann einzelne unklarer sein dürfen, aber immer wenigstens ein "Berns-dorf" oder ä. dabei sein soll.

Mit freundlichen Grüssen, J. Richter

Schweiger Wednesday November 1 2006 8:03:07 PM

Sehr geehrter Herr Richter,

Warum soll nicht auch einmal eine kleine Episode im Gästebuch Platz haben. Mein Bruder, Jahrgang 1926 hatte mir einmal erzähl, dass bei der schweren „Endsiegkämpfen“ 1945 an der Neiße Pioniere so einen Baum an einen Wasserlauf gefällt hatten, dass er eine provisorische Brücke bildete und man sich an den Ästen über den Wasserlauf hangeln konnte. Er musste mit MG und einem Kameraden mit zwei Munitionskästen und einem Offizier diese Brücke überwinden. Der Offizier dachte gar nicht daran dem Kameraden eine Munitionskiste ab zu nehmen. So passierte was passieren musste. Der Kamerad rutschte ab und verlor beide Munitionskisten. Deshalb musste sehr bald die bezogene Stellung auf gegeben werden. Ich erspare mir einen Kommentar. Vielleicht hatte mein Bruder dadurch überlebt. Daher stammt mein Vorschlag zur Einschätzung von Flussquerungen. Der natürlich nur bei schmalen Flussläufen anwendbar ist. Im Übrigen bin ich aber der Meinung, dass Flüsse überhaupt die einzigen etwas bequemen Verkehrswege in Vorzeiten waren Das Innere von Brasilien ist zum Beispiel heute noch nur auf Flusswegen zu erreichen!

Mit freundlichen Grüssen M. Schweiger

J. Richter Saturday November 4 2006 9:43:58 AM

Sehr geehrter Herr Schweiger,

[[[...Im Übrigen bin ich aber der Meinung, dass Flüsse überhaupt die einzigen etwas bequemen Verkehrswege in Vorzeiten waren....]]] Nicht jeder Fluß ist oder war bequem. Hinunterfahren und dann das Schiff als Brennholz verkaufen, entspricht nicht der nachgewiesenen Effizienz der alten Völkern. Frachtschiffe kann man flussaufwärts oft nur treideln, aber nur, wenn der Uferbereich es zulässt. Nicht jeder Fluß ist geeignet zum Treideln. Manchmal ist es zu sümpfig oder gebirgig. Unsere Mittelgebirgs- und Hügelrückenstrecken in Europa sind sicherlich auch bequem gewesen und vergleichbar mit einer Bootsfahrt auf dem Amazonas.

Mit freundlichen Grüssen -J.Richter-

Schweiger Saturday November 4 2006 2:32:33 PM

Liebe Freunde der Bernsteinstrasse,

Die letzten Beiträge im Gästebuch haben in eindrucksvoller Weise gezeigt, zu welchen hervorragenden Ergebnissen, eine tolerante und ehrliche Diskussionsführung, für die ich mich herzlich bedanken möchte, führen kann. Der Wissensstand um die Bernsteinstrassen ist ganz erheblich erweitert worden. Wir wissen, dass. dank Ihrer umfangreichen Arbeiten, die Sie hier im Gästebuch eingebracht haben und Ihrer wertvollen Hinweise, sehr geehrter Herr Richter, sehr wahrscheinlich auch einem Havel- Spree/Neiße-Weg eine größere Bedeutung zukommt, dass auch die Einbeziehung von Routenführungen aus der Verbindung von Orten mit Namensgebungen, die den Wortkern „Brenner oder/und Amber enthalten, einen größeren Umfang des vorgeschichtlichen beziehungsweise frühgeschichtlichen Umfanges des Bernsteinhandels erahnen lässt. Auch in der gemeinsamen Arbeitsgestaltung und Arbeitsmethodik sind wir vorangekommen. Als Gewinn ist die kritische und emotionslose Auseinandersetzung mit den einzelnen Beiträgen zu verzeichnen, sie hat zugleich zu einer beachtlichen Erweiterung des Erkenntnisstandes geführt. Aus der kritischen Auseinandersetzung mit den verschiedenen Deutungen des Ortsnamens Brambach ist zum Beispiel der slawische Ursprung als „Eingang Gottes“, der vielleicht einen Zusammenhang mit dem vermuteten Wasserkastell bei Brambach aufzeigt, herausgearbeitet worden. Durchgesetzt hat sich auch die Auffassung, dass für die vorgeschlagene Zertifizierung „Ort an der Bernsteinstrasse“ mehrere Kriterien heran gezogen werden sollten. Mit diesem Resümee verbinde ich auch den Wunsch und die Bitte, die herausgearbeitete Diskussionskultur weiter zu pflegen und als Leitmotiv zu erhalten. Nach meinen Erfahrungen aus anderen Gästebüchern und Foren im Internet ist das durchaus nicht Allgemeingut. Oft genügen schon belanglose Einwände, persönliche, oft sogar beleidigende Angriffe, auszulösen. Ich denke, dass wir so, gut gerüstet, weiterführende Aufgaben gehen angehen zu können.

Mit freundlichen Grüssen M. Schweiger

B.Willing 1berndwil@t-online.de Saturday November 4 2006 11:36:21 AM

Sehr geehrter Herr Richter,

es war durchaus üblich, mit Flößen flussabwärts zu fahren und das Holz zu verkaufen. Flussaufwärts benutzte man lieber die Wege, denn im mittleren Elbegebiet war Treideln auf Grund der unwegsamen Uferbereiche meist unmögflich.Die Elbe war stets gut schiffbar. Nicht schiffbar war die Saale, von der überliefert ist, dass sie von Bäumen verstopft war. Flussübergänge erfolgten in der vor- und frühgeschichtlichen Zeit in unserem Gebiet grundsätzlich an Furten. Erst mit der Einführung von Fähren und Brücken wurden schmale Stellen am Fluss bevorzugt. Die wichtigste Furt an der Mittelelbe war zwischen Aken und Dessau, wo steiniger Untergrund vorliegt.

MfG B.Willing

Richter, Joannes Sunday November 5 2006 5:29:09 PM

Sehr geehrter Herr Willing,

[[[...Die wichtigste Furt an der Mittelelbe war zwischen Aken und Dessau, wo steiniger Untergrund vorliegt. MfG B.Willing....]] In diesem Zusammenhang vielleicht folgende Frage: Unmittelbar nördlich von Bernsdorf ragt der Schlossberg (111 Meter) hoch. Wurde dieser Schlossberg mit einer Festung überbaut? Hat diese Burg einen Namen und ggf. eine Geschichte? Mit einer Festung auf dem Schlossberg konnte die Route evt. gesichert werden. Des weiteren: Bei Coswig liegt noch eine "Bernauer Mark". Was wird mit diesem Namen geführt? Zu den Namen Bress--, usw. möchte ich noch hinweisen auf den möglichen Zusammenhang mit dem Namen "Preussen", der m.E. ebenfalls ein Brennername ist. In meinem Buch & Manuskript verweise ich auf das Volk der "Phryges", Trojaner, die in Altlatein "Bruges" hiessen. Der Name stammt vom griechischen Verb "frugo" und bedeutet (wie erwartet) "Brenner". Nahe Troja liegt bezeichnenderweise die bedeutende türkische Stadt Bursa, die bis vor 100 Jahren noch "Brussa" hieß. Man beachte dabei, dass der altdeutsche Historiker Aventinus in der Bayrischen Chronik dokumentiert, dass deutsche Krieger und Kriegerinnen die Trojaner im trojanischen Krieg geholfen haben sollen (und wohlbehalten heimgekehrt sind). Bruges (Trojaner) und Brussa sind deshalb m.E. eventuell verwandt mit Brügge und Brüssels in Belgien und mit Preussen an der Ostsee. Preussen hieß im Hohen Mittelalter (960-1320) übrigens "Pruzzen".

Mit freundlichen Grüssen - J. Richter-

B.Willing 1berndwil@t-online.de Monday November 6 2006 6:20:33 PM

Sehr geehrter Herr Richter,

der Schlossberg, eigentlich Spitzberg, trägt ein neuzeitliches Jagdschloss und war offenbar vorher nicht befestigt. Eine Bernauer Mark ist mir nicht bekannt.

MfG B.Willing

Richter, Joannes Monday November 6 2006 10:07:52 PM

 Hallo zusammen,

Habe jetzt ein Großteil meiner Bernstein-Datenbank in eine Forumsadresse zur allgemeine Verwendung geordnet abgelegt. Da das vorliegende Gästebuch leider doch stark mit SPAM verseucht wird und langsam überquillt, schlage ich vor, unsere Diskussionen besser geordnet in dieses Forum zu verlagern. Dort können auch neue Interessenten leichter suchen und nachschlagen. Die Adresse lautet: http://www.forumromanum.com/member/forum/forum.php?USER=user_394430 Tragen Sie in Foren (oder auch ins Gästebuch) bitte lieber keine eMailadressen ein. Vielleicht sollte Herr Dr. Schweiger unsere Adressen sogar löschen, damit wir keine Spam-Opfer werden. Im Forum sind wir alle auch für persönliche Nachrichten erreichbar und wir können über persönlichen Nachrichten eMailadressen austauschen. Das Gästebuch ist mit einer Blacklist ausgestattet, womit wir Spammer wirksamer abwehren können.

Mit freundlichen Grüssen, -Joannes Richter-

Richter, Joannes Tuesday November 7 2006 6:52:38 PM

Sehr geehrter Herr Willing,

Vielleicht können wir die Route von Hamburg nach Leipzig etwas genauer untersuchen. Hamburg, Bahrendorf, Barnitz, Brandleben, Baarz, Brünken, Bernheide, Breese, (Dorf) Brandenburg, Breddin, Brenkendorf, Bartschendorf, Brädikow, Barnewitz, Brielow, Brandenburg, Pernitz, Hammerdamm, Groß Briesen, Pramsdorf, Börnecke, Glashütte, Bärenthoren, Bornum, Bernsdorf, Brambach, Breesen , Fernsdorf, Priesdorf, Prussendorf, Brehna, Beerendorf-Delitsch (nördlich von Leipzig) -> Anschluß auf Route 4. Mich interessiert zunächst der Abschnitt Pernitz -> Brambach. Die Strecke führt quer durch den Hohen Fläming. Die Strecke führt vorbei an den Briesener Berge (103 m), dann an einem Blauen Stein. Bei Pramsdorf liegt eine Leuerberg (94 m) Bei Bornecke liegt der Theerberge (152 m), Bei Glashütte liegt der Frauenberg (168 m) Bei Bärenthoren liegt der Weinberg (136 m) Bei Bornum liegt der Mölleberg (109 m) Bei Bernsdorf liegt der Schlossberg (111 m) Bei Brambach liegt der Galgenberg (82 m) Folgt nun eine Elbüberquerung über felsigem Untergrund? und ist die og. Hügelkette und ggf. eine überquerende Wanderstrecke ausgeprägt vorhanden ? Südlich der Elbe scheint mir das Gelände flach zu sein. Nur westlich in der Nähe Bernburgs gibt es wieder hügeliges Gelände. Können Sie das bestätigen oder führt die og. Strecke bis Leipzig noch durch Hügellandschaft? Übrigens: Bernauer Mark scheint eine Sehenswürdigkeit am nordwestlichen Rand Coswigs zu sein.

Mit freundlichen Grüssen, J. Richter

B.Willing Wednesday November 8 2006 12:53:56 PM

Sehr geehrter Herr Richter,

das Gelände ist südlich der Elbe bis in den Leipziger Raum, von ein paar Porphyr-Kuppen (z.B. Quetzer Berg) und dem Petersberg (höchste Erhebung auf diesem Breitengrad bis zum Ural!) abgesehen, tatsächlich flach. Aus dieser Region kamen die Salzstraße, von Halle über die Salzfurt bei Salzfurtkapelle zur Mittelelbe, und die Leipziger Heer- und Handelsstraße, über die Steinfurt bei Wolfen, entlang der Kante des Urstromtals bzw. später über Mosigkau zur Mittelelbe. Nördlich der Elbe setzten sich die Straßen fort nach Zerbst, nach Brandenburg-Berlin (später als Poststraße über Göritz-Treuenbrietzen) oder mündeten in die Elbufer-Heerstraße nach Wittenberg. Die Elbübergänge wechselten später an bzw. in das Stadtgebiet von Dessau (Fähre, Brücke). Im Fläming sind nur noch kleine Stücke der einstigen Straßen überliefert, so die Kohlenstraße von Ragösen nach Golmenglin, und die weit wichtigere Steindammer Straße von Stackelitz nach Borne in Richtung Belzig-Berlin. Beide Straßen schließen südlich an einen Verlauf an, der noch deutlich erkennbar vom Elbübergang am Neekenschen Werder bei Brambach nach Bernsdorf, mit scharfem Rechtsbogen nördlich am Spitzberg vorbei in den Raum Ragösen, Hundeluft, Jeber-Bergfrieden führt. Bei Thießen gibt es den Möllel-Berg und bei Jeber den Backofen-Berg, östlich die Fuchsberge, bei Weiden den Deich-Berg, und bei Setzsteig den Schwarzen Berg. Alle diese "Berge" waren in der Regel nur kleine Anhöhen und unbefestigt. Befestigt waren der Rabenstein und der Eisenhart bei Belzig. Das "Bergfrieden" von Jeber-Bergfrieden ist von einem Wachturm der mittelalterlichen Landwehr abgeleitet, die die natürlichen Hindernisse der Nuthe und Rossel durch Wälle verband. und ergänzte. Weiter nördlich im Berliner Raum geben leider meine Karten keine Auskunft mehr.

MfG B.Willing

Richter, Joannes Wednesday November 8 2006 9:56:48 PM

Sehr geehrter Herr Willing,

Vielen Dank für Ihre Beschreibung. Die Untersuchung liefert m.E. zuwenig Anhaltspunkte für Routen in der Bronzezeit. Auf den Karten 1-4 von Fr. Dr. Stahl sind südlich von Berlin zwischen Elbe und Oder keine/kaum Fundstellen dokumentiert. Auch in meinen Karten sind zuwenig Brennernamen verzeichnet. Ich schlage vor, den Bereich südlich der Elbe um Saale und Mulde intensiver zu analysieren, weil hier lt. Stahl-Karten und Brennernamen interessantere Objekte vorliegen.

Mit freundlichen Grüssen -J. Richter-

Schweiger Friday November 10 2006 8:28:47 PM

Liebe Freunde der Bernsteinstrasse,

Eine intensivere Untersuchung des Mulde/Saale-Raumes südlich des Elbknickes kann ich nur begrüßen. Denkbar ist doch vielleicht auch ein Weg ab Brambach weiter entlang der Mulde. Vielleicht ist es auch eine Überlegung wert, einen Zusammenhang zwischen der Häufung von Burgwarden entlang der Mulde (Pouch, Bad Düben, Eilenburg) und einer verkehrstechnischen Bewegungsrichtung, die als Aufmarschbasis bei der Christianisierung der Slawen reaktiviert wurde, zu sehen. Es hält sich hartnäckig die Meinung in unserer Region, dass die Bernsteinstrasse der B2 folgte. Von der Saale-Linie, der über weite Strechen der B2 folgt nahm ja auch die Christianisierung ihren Ausgang Das Auffinden von Brennerorten könnte sehr nützlich sein. Am 06. 11. 06 war ich auf einer so genannten Radwanderkonferenz in Brambach. Dazu werde ich mich demnächst äußern. Ich kann meinerseits nicht nachvollziehen, wie auf meinen Diskussionsbeitrag, einen Zusammenhang zwischen Elbradweg und Bernsteinstrasse her zu stellen, reagiert wurde.Ich hoffe, in den nächsten Tagen eine Lösung zu Abwehr er Spamattacken zu finden.

Mit freundlichen Grüssen M. Schweiger

Schweiger Sunday November 12 2006 10:54:54 PM

Liebe Freunde der Bernsteinstrasse,

Ich werde in den nächsten Tagen das Gästebuch aus der Homepage nehmen, weil wegen der Spam-Attacken ein weiterer Betrieb sinnlos ist und mit einem weiteren Betrieb der Sache und mir persönlich größerer Schaden zugefügt wird. Ich möchte mich bei allen Lesern für die konstruktive Mitarbeit bedanken und bitte meine Reaktionen in den letzten Tagen (auch in E-Mails) zu entschuldigen, die letztlich aber durch die Spams ausgelöst worden sind. Ich hoffe trotzdem Mittel und Wege für eine weitere Kommunikation zu finden. Vorab möchte ich bekannt geben, dass ich mir unter der Adresse < www. forumromanum.de/member/forum/forum.php?USER= user_394487 > Zumindest als Interimslösung eine neue Möglichkeit der Kommunikation aufbauen will. Ich folge damit Ihrer Empfehlung, sehr geehrter Herr Richter, und möchte mich dafür nochmals bedanken. Es wird hoffentlich nicht zulange dauern bis ich die Anfangsschwierigkeiten überwunden haben werde. Ich würde mich sehr freuen wenn Sie, liebe Leser, trotz Allem den Faden wieder aufnehmen würden. Für jeden Hinweis und jede Unterstützung bin ich dankbar. Schauen Sie sich in den nächsten Tagen bitte meine Homepage an. Dort werde ich weitere Informationen hinterlassen.

Mit freundlichen Grüssen M. Schweiger

Richter, Joannes Thursday November 16 2006 12:09:34 AM

Hallo Herr Schweiger,

Ich kann Ihre Entscheidung nur begrüssen. Hatte nun eine letzte Info in diesem Tagebuch bereits vorbereitet und werde diese noch veröffentlichen. Habe bei einem Kurzbesuch in Berlin einen erstaunlichen Zusammenhang zwischen den Brennernamen und den Gletschermoränen in Norddeutschland diagnostiziert. Die Anregung zu dieser Diagnose stammt übrigens von einem Werbeplakat am Bahnhof Friedrichstrasse, das für den Tourismus im Barnim wirbt und nebenbei notiert, dass der Barnim sich an einer Moräne aus der Eiszeit befindet. Diese Aussage hat meine Aufmerksamkeit angeregt, denn Barnim ist ein Brennername und der Bernstein wurde von Gletschern an seine Fundstellen transportiert. Im Umfeld Berlins kommen einige Orte und Vororte bekanntlich als Brenner-Siedlingen in Betracht, zum Beispiel der Prenzlauer Berg, der Barnim und die Stadt Bernau. Nachforschungen ergaben, dass diese Namen zusammenhängen und dass wir ihren Ursprung in den Moränen suchen müssen. Erstaunlicherweise konnte ich damit ebenfalls die Gründe für Bernsteinfunde in Brambach und Bernsdorf ermitteln. Für die Region der Elbe, Saale und Mulde, nördlich von Dresden gilt ebenfalls die These, dass die Brennernamen in dieser Regio nicht nur Handelsstationen, sondern zudem Fundorte für Rohbernstein gewesen sind. Für eine Veröffentlichung im Gästebuch ist die Beschreibung vielleicht etwas zu lang und deshalb habe ich die These im Forum Romanum dokumentiert.

Mit freundlichen Grüssen, -Joannes Richter-

Richter, Joannes Thursday November 16 2006 12:12:41 AM

Sehr geehrter Herr Schweiger, Ich kann Ihre Entscheidung nur begrüssen. Hatte nun eine letzte Info in diesem Tagebuch bereits vorbereitet und werde diese noch veröffentlichen. Habe bei einem Kurzbesuch in Berlin einen erstaunlichen Zusammenhang zwischen den Brennernamen und den Gletschermoränen in Norddeutschland diagnostiziert. Die Anregung zu dieser Diagnose stammt übrigens von einem Werbeplakat am Bahnhof Friedrichstrasse, das für den Tourismus im Barnim wirbt und nebenbei notiert, dass der Barnim sich an einer Moräne aus der Eiszeit befindet. Diese Aussage hat meine Aufmerksamkeit angeregt, denn Barnim ist ein Brennername und der Bernstein wurde von Gletschern an seine Fundstellen transportiert. Im Umfeld Berlins kommen einige Orte und Vororte bekanntlich als Brenner-Siedlingen in Betracht, zum Beispiel der Prenzlauer Berg, der Barnim und die Stadt Bernau. Nachforschungen ergaben, dass diese Namen zusammenhängen und dass wir ihren Ursprung in den Moränen suchen müssen. Erstaunlicherweise konnte ich damit ebenfalls die Gründe für Bernsteinfunde in Brambach und Bernsdorf ermitteln. Für die Region der Elbe, Saale und Mulde, nördlich von Dresden gilt ebenfalls die These, dass die Brennernamen in dieser Regio nicht nur Handelsstationen, sondern zudem Fundorte für Rohbernstein gewesen sind. Für eine Veröffentlichung im Gästebuch ist die Beschreibung vielleicht etwas zu lang und deshalb habe ich die These im Forum Romanum dokumentiert.

Mit freundlichen Grüssen, -Joannes Richter-

Schweiger Thursday November 16 2006 8:57:42 PM

Liebe Freunde der Bernsteinstrasse,

Es wird doch einige Zeit dauern, bis ich in der Lage bin, die Möglichkeiten des forumromanum im Interesse der Sache voll aus zuschöpfen. Ich bitte den stotternden Aufbau des Forums im forumromanum zu entschuldigen. Die Schadenbegrenzung durch die Spamattacken wird etwa so aussehen: Die nächsten Beiträge von mir werde ich sowohl im forumromanum als auch nach wie vor im Gästebuch einstellen. Ich werde für einige Personen, das sind im Besonderen die aktiven Mitgestalter des Gästebuches, die Berechtigung im forumromanum frei schalten, Beiträge zum Thema, wie gewohnt, ein zu stellen. Die Seite Gästebuch mit der freizügigen Möglichkeit Beiträge einzubringen wird entfernt, dafür werden unter einer Seite „Kommunikation“ Hinweise über die Benutzung des forumromanum gegeben. Der größte Schadensanteil besteht darin, dass Neueinsteigern die Mitarbeit erschwert wird. Ich bin dennoch optimistisch, dass die Spamattacken keinen Abbruch der Diskussion bewirkt haben. Im Folgenden möchte ich einige Hinweise aus dem Internet geben, wie anderswo mit dem Begriff Bernsteinstrasse operiert wird: In Görlitz positioniert man sich wie folgt: „Die heutige Europastadt Görlitz/Zgorzelec liegt an der Neiße im Schnittpunkt zweier alten Handelsstrassen, der „Via Regia“ von Santiago de Compostella in Spanien nach Kiew (dem Kreuzungspunkt mit einer weiteren Bernsteinstrasse, der Dnepr- Strasse!) und der „Bernsteinstrasse“ zwischen Ostsee und Adria. Im Stadtbild spiegeln sich die vielfältigen Verbindungen zu anderen Kulturen in Ost und West, Nord und Süd.“ Das Zitat in der Klammer ist von mir eingefügt. Nach den mageren Bernsteinfunden zur frühen Eisenzeit in der Neißeregion nach den Karten von Dr. Stahl dürfte hier eher die Nachbarschaft zum Havel-Spreeweg zutreffend sein, wie hier im Gästebuch herausgearbeitet worden ist. Zumindest ist es berechtigt diese These zur Diskussion zu stellen. In den Ländern der ehemaligen Sowjetunion verzichtet man im Zusammenhang mit dem Tourismus (Dnepr-Schiffsreisen) nicht auf folgenden Hinweis: „ Bereits in der Vergangenheit ist der Dnepr einer der wichtigsten Flüsse für diese Region gewesen. Schon die Wikinger erkannten die Möglichkeiten des Handels und errichten am Flusslauf verschieden Siedlungen. So bekam der Dnepr bald den Beinamen „Bernsteinstrasse“! “ In Verbindung mit dem Thema „Kosacken“ könnten hiermit im Sinne des Semiartourismus ergiebige Themen ausgebaut werden und für die Gestaltung eines niveauvollen Tourismus genutzt werden. Mich persönlich fasziniert das Thema Kosaken, weil ich in dieser Bevölkerungsgruppe eine wirkliche Elite sehe, die als Wehrbauern den Schutz der Grenzen oft zum Undank übernommen hatten. Bezeichnender Weise war eine dieser Grenzen eine Bernsteinstrasse! Schließlich ist unter „85 Seiten Österreich“ folgende bemerkenswerte Tourismusmarketingaktion zu finden: „Mit Wein, Fass und Traktor... ...eine Begegnung mit dem neuen Europa Über eine Strecke von 2.400 Kilometern haben acht Traktorfans aus Poysdorf im Weinviertel mit zwei alten Traktoren begleitete von zwei Oldtimer-Motorrädern ein Fass Wein nach St. Petersburg transportiert. Sie sind dabei jener Route entlang der historischen Bernsteinstrasse gefolgt, auf der ihre Vorfahren schon zur Zeit des „Wiener Kongresses“ um 1815 Wein geliefert haben. Damals nämlich war Zar Alexander I. so begeistert von den Poysdorfer Weinen, dass er die Weinviertler zu kaiserlich-russischen Hoflieferanten gemacht hatte. Zum heurigen 300-Jahr-jubiläum der Stadt St. Petersburg haben die Poysdorfer den historischen Weintransport entlang der Bernsteinstrasse wieder aufleben lassen. Mit zwei 55 Jahre alten „26er“ Steyer-Traktoren haben sie dabei auch fünf der neuen EU-Mitgliedstaaten durchquert: Tschechien, Polen, Litauen, Lettland und Estland, ehe die Fahrt dann in der historische Stadt im Westen des heutigen Russland ihr Ziel erreichte. Begleitet wurde der Traktorkonvoi von einem Kamerateam des ORF Landesstudio Niederösterreich, das mit dem Filmmaterial eine besondere Ausgabe von „Erlebnis Österreich“ gestaltet hat. Sendtermin: 28. August 2004 Das ist perfektes Marketing. Warum schreibe ich das? Ich bin Anhalter und damit in erster Linie Deutscher. Ich möchte meinen Beitrag leisten, dass sich bei dem Tourismusthema Bernsteinstrasse die Erkenntnis durchsetzt, dass es hier um viel Geld geht, das buchstäblich auf der Strasse liegt, weil mit vergleichsweise geringem Aufwand attraktive Tourismusangebote gestaltet werden können. Ich möchte nicht, dass wir Deutschen bei diesem Thema ins Hintertreffen geraten. Damit erübrigt sich fast eine Auseinandersetzung mir der Radwandererkonferenz am 06. 11. 06 im Brambach, die ich noch vorhabe.

Mit freundlichen Grüssen M. Schweiger

Richter, Joannes Saturday November 18 2006 11:05:57 AM

Hallo Herr Dr. Schweiger und Dr. Willing,

Ich möchte nochmals zurückkommen auf Ihre Beschreibung einer früheren Beschreibung des Bernsteinstrassenverlaufs: <Zitat aus dem Eintrag von Name: Schweiger, Gesendet: Saturday October 28 2006 7:54:55 PM> "Nach Hinweisen von Dr. Willing, unter anderem auf einen Beitrag von H.Czornick in der MZ vom 19. 06. 91 kann man davon ausgehen, dass durch die Bernsteinstrasse folgende Orte von Nord nach Süd verbunden werden: Rogätz, Magdeburg, Schönebeck, Barby, Calbe, Aken, Dessau, Oranienbaum, Mescheide, Jösigk, Schköna, Schwemsal, Bad Düben."<Ende Zitat> Diese Orte säumen nahezu auf einer Linie den westlichen und südlichen Rand des Flämings. Der Fläming jedoch ist eine Eiszeitmoräne und während der Vergletscherung ist vermutlich auch Bernstein abgelagert worden, dass man bereits in der Bronzezeit ausgegraben und verhandelt hat. Für Ihre Kontakstellen zu den Tourismusverbänden wäre sicherlich interessant, wenn wir in der Lage wären, die früheren Bernsteinfunde nachzuweisen. Ist Ihnen ein Fundstelle für Rohbernstein (d.h. keine Depotfunde) in dieser oder einer anderen Umgebung mit Eiszeitmoränen bekannt? Weitere solche Moränenstellen sind denkbar und diese habe ich in meinem Forumbereich mit folgender Adresse dokumentiert: http://www.forumromanum.com/member/forum/forum.php? USER=user_394430

Mit freundlichen Grüssen, Joannes Richter

 Richter, Joannes Saturday November 18 2006 11:10:16 AM

Hallo zusammen,

Anbei die Thesen über die Bernsteinfundstellen in den Gletschermoränen, die auch bereits im ForumRomanum dokumentiert wurde: Ich hatte bei einem Kurzbesuch in Berlin einen erstaunlichen Zusammenhang zwischen den Brennernamen und den Gletschermoränen in Norddeutschland diagnostiziert. Um den Zusammenhang zu verstehen ist jedoch zunächst eine kurze Einführung in die Vergletscherungstheorie und Moränenkunde notwendig. Vergletscherungstheorie und Moränenkunde Moränen sind Schuttablagerungen und Geröll, die von Gletschern bei ihrer Bewegung mitgeschleift oder angehäuft werden. Man unterscheidet dabei Endmoränen, die am Ende eines Gletschers zurückbleiben und Grundmoränen, die der Gletscher auf seiner Bewegung mit sich führt. Die Materialien sind gemischt und können aus unterschiedlichen Eiszeiten stammen. So finden sich im gesamten norddeutschen Raum Gesteine skandinavischen Ursprungs. Beispielsweise stellt der Fläming im südlichen Brandenburg eine Endmoräne eines eiszeitlichen Gletchers dar. (Quelle: deutsche Wikipedia, Eintrag Moräne). Das nördliche Mitteleuropa wurde mehrfach vom skandinavischen Inlandeis überfahren. Da dieses Inlandeis Norddeutschland flächendeckend unter sich begrub, ist eine grundmoräne flächendeckend vorhanden. Glaziale Rinnen sind im nördlichen Mitteleuropa eine weit verbreitete Erscheinung. Endmoränen sind in Norddeutschland zwar weniger ausgeprägt, treten aber trotzdem in der flachen Landschaft als Höhenzüge deutlich in Erscheinung. Die Stadt Eckernförde und die Eckerförder Bucht (an der Ostsee, nördlich von Kiel) werden im Internet namentlich als Fundstelle für Bernstein genannt (Webseite: Mineralienatlas Lexikon - Deutschland). Der Bernstein wird an der gesamten Nord- und Ostseeküste gefunden, insbes. in Eckernförde. Die Kliffs dieser Bucht bestehen aus Tillit. Diese Tillite stellen Moränen dar und wie im norddeutschen Flachland findet man in diesem Boden Geschiebe nördischer Gesteine. In der Nähe der Stadt Eckernförde liegt an der Strasse zwischen Eckernförde und Kiel bezeichnenderweise eine Ortschaft Bornstein, die sich namentlich bereits als "Brenner"-Siedlung klassifiziert. Da wir jedoch wissen, dass die glaziale Gletscherbewegungen den Bernstein in Norddeutschland genauso wie das nordische Gestein transporiert haben, dürfen wir annehmen, dass alle Grund- und Endmoränen Bernsteine enthalten haben können. Norddeutsche Moränen ohne Bernstein wurden vielleicht inzwischen vollständig abgebaut, aber enthalten eventuell auch noch Restspuren des Bernsteins, insbes. dann, wenn der Name der Moräne sich als Brennername herausstellt, wie zum Beispiel Barnim. Der Landkreis und Moräne Barnim Zu den auffälligen Höhenrücken mit Grundmoränen, einem Endmoränenzug und kleinen Sandern zwischen dem berliner Urstromtal im Süden und dem Eberswalder Urstromtal im Norden gehört nun der Barnim. Der südwestliche Teil des Barnims liegt bereits auf Berliner Stadtgebiet. Der Barnim erreicht eine max. Höhe von 158 m über NN. Auf berliner Stadtgebiet (Prenzlauer Berg) bildet er eine schwache Steilkante (37 m über NN), welches dort nur 4 km breit ist. Das Plateau des Barnim wird von mehreren glazialen Rinnen durchschnitten. Im gamengrund östlich von Berlin befinden sich mehrere schmale Seen, wie der Gamensee und der Mittelsee. Zur Geschichte des Barnim sind folgende Details dokumentiert: (Auszug der Webseite: www.barnim.de) - In der Steinzeit (16.000 bis 2.000 v.C.) Besiedlung von Jägern und Fischern. - In der Bronzezeit (2000 v.C. bis 700 v.C.) metallene Funde um den Grimnitzsee und rund um Biesenthal. - Bis zum 6. JH. u.Z. Bevölkerung des Landes von Germanen - Einwanderung slwaischer Stämme aus Böhmen in das Gebiet des Barnim, Entstehung von Burgen. - bis zum 9/10. Jahrhundert Siedlungskonzentration z.B. um den Parsteiner See. - 1232 Urkundliche Erwähnung der Stadt Bernau. - Barnim bezeichnet die Hochfläche zwischen Spree, Havel, Finowkanal und Oderbruch. In 1913 entdeckten Bauarbeiter einen 2,5 kg schweren, großen Goldschatz in der Stadt Eberswalde aus dem 9. Jahrhundert v.u.Z. aus der Bronzezeit. Der Schatz verschwand im II. Wetlkrieg, aber ein Imitat ist in der restaurierten Adlerapotheke in Eberswalde zu besichtigen. Man kann sich natürlich fragen, wie Jäger und Fischer mit dem Erlös ihrer Jagd einen so grossen Goldschatz anhäufen konnten. Waren die Bewohner vielleicht Bernsteinsammler, die das Gold als Erlös ihres Fernhandels verdient hatten? Die Flämingmoräne Am Südrand der Flämingmoräne befindet sich die Endmoräne eines Gletchsers, der an dieser Stelle direkt an der Elbe bei Dessau endet. Am Nordufer der Elbe befinden sich die Dörfer Brambach und Bernsdorf (inzwischen eingemeindet, aber im Grossen Shellatlas 73/74 noch dokumentiert auf der Strasse zwischen Zarbst und Roßlau). In unmittelbarer Nähe liegt auch die Stadt Bernburg, dessen Name ebenfalls als Brennername identifiziert wird und in der Fachliteratur als Bernsteinhandelsort gilt. Nördlich von Bernsdorf liegt Bornum, wo inmitten des Flämings ggf. in einer Grundmoräne Bernstein gefunden wurde. Die Hamburger Moräne Westlich von Hamburg verläuft eine Moräne von Dänemark, durch die Lüneburger Heide bis nach Wolfsburg. An dieser Moräne liegen zahllose Brennersiedlungen wie Emmerlev (bei Sylt), Alt Bernebek, Barmstedt, Barmbek, Barmbruch, Raven. Bei Wolfsburg befindet sich ein Bernsteinsee an einem Barnbruch. Die Teutobürger Moräne Einige kleineren Moränen befinden sich im Teutobürger Wald bei Osnabrück und Bielefeld. An diesen Moränen befinden sich die Orte Bramsche, Bramgau, Barnstorf, Barenburg, Bad Pyrmont und Brunsberg. Die Gegend östlich von Osnabrück heißt Ravensburger Land, während die Umgebung von Hildesheim als Ambergau bezeichnet wird. Als Flüsse gelten die Ems und die Emmer (Seitenfluss der Weser) als Brenner-Namen. Die Mecklenburger Moräne Eine sehr lange Moräne erstreckt sich von Kiel über Lübeck und Mecklenburger Seenplatte bis zum Barnim. An dieser Moräne befinden sich Orte wie Fernwisch (bei Kiel), Ammersbek, Hamberge, Borndiek (bei Lübeck), Bernitt, Barnim, Neu-Brandenburg, sowie die bereits beschriebenen Orte Barnim, Bernau und Parsteinsee. Die norddeutsche Moränen Die Moränen Norddeutschlands verlaufen in der Regel zwischen den Flüssen, z.B. zwischen Elbe und Oder, zwischen Weser und Elbe. Da auf den Hügelrücken der Moränen an vielen Stellen Bernstein gefunden wurde und sich diese Fundorte zufälligerweise auch auf der Hauptachse des Fernhandels befinden, geben die Moränenlinien gleichzeitig die Handelsroute des Bernsteins wieder. Die südlichsten Endmoränen in Nordeuropa Eine Landkarte mit einer Skizze der nordeuropäischen Moränen wurde in dem University Atlas von George Philip & Son Limited, London (1972) gefunden. Die südlichsten Endmoränen in Grossbritannien liegen an der Nordküste Cornwalls. An dieser Stelle liegen Barnstaple, Brendon, Burnham-on-Sea, Brent, Amberley. Auch die ehemalige Insel Glastonbury dürfte vielleicht noch von einer Moräne erreicht worden sein. In Bristol kann eine Moräne im dominierenden Stadtberg Amber Hill gesucht werden, der etwa 30-50 Meter über den Dächern hinausragt. Von Bristol verläuft die Südgrenze der Vergletscherung steil nach Norden bis etwa Birmingham. Auch auf dieser Grenzlinie befinden sich Orte mit Brennernamen, z.B. Brent und Amberley. Darüber hinaus verläuft die südliche Endmoränengrenze durch London, wo sich die Stadtteile Brent, Brentwood, und die Vorstädte Burnham, Ambersham und Burnham-on-Crouch, Amberley, usw. In der Niederlande verläuft die südliche Endmoränengrenze an der Maas entlang. Auf dieser Linie befinden sich Bernisse, Pernis, Barndrecht, die Flußmündung Amer der Maas, Ammerzoden, Ravenstein. Innerhalb Deutschland verläuft die Vergletscherungsgrenze durch Dortmund bis nach Pirna bei Dresden. Westlich von Dresden konzentrieren sich sehr viele Siedlungen mit Brennernamen, so dass man annehmen darf, dass an dieser Stelle sehr viel Bernstein in den Moränen gefunden und ausgegraben wurde. Weiter östlich in Polen verläuft die Grenze südlich von Wroclow (Bre[n]slau) bis nach Krakau. Zusammenfassung Nach Analyse der Moränenfundstellen sind die Orte mit Brenner-Namen im norddeutschen Bereich keineswegs nur als Handelssiedlungen zu sehen. Vielmehr wurde an diesen Stellen auch Bernsteine in den Gletschermoränen gefunden und verhandelt. Der Goldschatz aus dem Barnim beweist, dass der Fernhandel bereits in der Bronzezeit (9. JH. v.u.Z.) einen beträchtlichen Reichtum bescherte. Die Brennernamen dokumentieren bereits seit dem Altertum den Reichtum des Ortes oder des Bezirks und sind offensichtlich jahrhundertelang erhalten geblieben. Da die Fundorte einigermassen gleichmäßig verteilt sind, darf der Reichtum aus dem Bernsteinhandel als relativ homogen gestreut angenommen werden. Nach Erschöpfung der Bernsteinfundstellen in den Moränen ist die Quelle des Reichtums in Vergessenheit geraten und nur der Ortsname zeugt noch vom Bernstein. Die Brenner-Orte südlich der Endmoränengrenze (z.B. in Baden-Württemberg) kommen als Fundorte nicht mehr in Frage und können nur noch als Handelsstationen eingestuft werden. Falls jemand von Fundstellen eines Rohbernsteins, d.h. keine Depotfunde, in norddeutschen Moränen erfährt, bitte ich um Veröffentlichung dieser Info im Forum.

Schöne Grüsse -JOR-

Richter, Joannes Saturday November 18 2006 11:53:27 AM

Aus Einträge von H.Brätz im Forum Romanum http://www.forumromanum.de/member/forum/forum.php?action=ubb_show&USER=user_92629&threadid=2&entryid=1096901715&mainid=1096901715&page=5 <Zitatanfang> RE: Rekonstruktion der androgynen Religionen und der Brennerstraße , 17 Nov. 2006 17:59 @ JOR Ich kann mich erinnern, dass zwischen Brandenburg und Potsdam, nördlich der Havel, bei Paretz und Gutenpaaren, nach Bernstein gegraben wurde. Und in Sopot an der polnischen Ostseeküste, konnte man in den 70er Jahren die Bernsteinraubgräber beobachten, wie sie mit ihren Hochdruckspritzen ruckzuck Riesenlöcher in die Wiesen spülten. RE: Rekonstruktion der androgynen Religionen und der Brennerstraße , 17 Nov. 2006 18:37 Fontane schreibt über Bernsteinvorkommen in der Mark Brandenburg: " ... wenn wir uns speziell auf die wichtige Feldmark Glindow beschränken, so unterscheiden wir hier folgende Lehmberge: ... Dabei mag als etwas Absonderliches hervorgehoben werden, daß sich in diesen Lehmlagern Bernstein findet, und zwar in erheblicher Menge. Die meisten Stücke sind haselnußgroß und somit ohne besonderen Wert, es finden sich aber auch Stücke von der Größe einer Faust, dabei sehr schön, die bis zu fünfundzwanzig Talern verkauft werden. Wer solch Stück findet, hat einen Festtag." Wenn es sich dabei um menschliche Produkte handeln soll, müssten diese in den Lehm reingebuddelt worden sein, was nur schwer vorstellbar ist. Es sei denn, diese Lehmberge wären eigentlich keine Naturprodukte. Soweit ich weiß, gibt es keine "wissenschaftliche" Erklärung, wo der Lehm herkommt. <Zitatende H. Brätz> @H.Brätz, Vielen Dank für diese wertvollen Hinweise! Glindowliegt am nördlichen Rand des Hohen Flämings bei Potsdam. Der Hohe Fläming gilt jedoch als Gletschermoräne und bei Glindow sind einige Hügel (Strebenberg 72 m) eingetragen, die vielleicht analog zum Prenzlauer Berg in Berlin als Grundmoräne aufgetürmt wurden. Als "wissenschaftliche" Erklärung tippe ich auf Gletscherbewegungen. Unweit von Glindow liegen etwas weiter nördlich Paretz und Gutenpaaren. Die Siedlungen Glindow, Paretz und Gutenpaaren bilden (zusammen mit den Brenner-Namen Premnitz im Nordwesten und Pernitz im Süden) einen Halbkreis in einer Distanz von etwa 20 km um Brandenburg. Der Landesname Brandenburg hängt ggf. zusammen mit den Bernsteinfundstellen in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt. Sopot enthält ggf. Depotfundstellen, falls es sich tatsächlich um Bernsteinraubgräber handelt. Da jedoch die gesamte Ostseeküste als Bernsteinfundgebiet gilt, kann man nicht unbedingt auf Moränenfundstellen schliessen.

Schöne Grüsse -JOR-

 

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